Aus jeder Kreuzung entlang der Gudrunstraße stößt jemand Neues dazu, die Strömungsrichtung ist klar. An den Knotenpunkten kommt der Fluss ins Stocken, hier gibt es Nelken für einen Euro. Es ist kurz vor 9 Uhr am gestrigen Sonntag und auf dem Weg zur Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde sammeln sich die Ersten, die in Erinnerung an die vor 93 Jahren ermordeten Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Blumen und Kränze auf ihren Gräbern niederlegen wollen. Wie jedes Jahr hatte die LINKE zum gemeinsamen Gedenken aufgerufen.
Es ist kalt, aber die Sonne schiebt sich gerade über die Dächer der umliegenden Wohnhäuser und blendet die Frühaufsteher, die schon vor dem Gedenkstein versammelt sind. »Man kann quasi nur nach links gucken«, witzelt ein älterer Mann. Hinter ihm kämpft sich ein kleines Mädchen mit einer Nelke in der Hand die Stufen zum Gedenkstein empor. »Für uns hat die Erinnerung an Karl und Rosa vor allem eine persönliche Bedeutung«, sagt Vater Lukas. Karoline ist letztes Jahr einen Tag nach Kranzniederlegung geboren und heißt deshalb mit zweitem Namen »Rosa«. »Gott sei Dank ist es kein Junge geworden, Karl hätte einige Diskussionen in der Familie ausgelöst«.
Viele Familien prägen die Gedenkzeremonie, mehrere Kinderwagen sind im Gebüsch neben dem Rondell mit den Gedenktafeln geparkt. »In diesem Jahr ist das Publikum weitaus jünger als im letzten«, sagt LINKE-Sprecher Alexander Fischer und fügt hinzu: »Der Trend geht nach links.«
Gegen halb zehn legen auch führende Vertreter der Linkspartei, darunter Fraktionschef Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und die Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, Kränze nieder. Während sie zur Gedenkstätte gehen, spielt die Blaskapelle auf dem Vorplatz »Die Internationale«, mit Betreten des Friedhofs tönt Johann Sebastian Bach aus den Lautsprecherboxen. So unterschiedlich wie die Musik sind die Menschen, die auf das Areal strömen. Bis zum Vormittag haben sich laut Linkspartei weit mehr als 10 000 Menschen auf dem Friedhof versammelt.
Während die Schlange vor den Gedenktafeln für Liebknecht und Luxemburg immer länger wird, drängelt sich ein älterer Mann mit gelbem Kapuzenpulli und Trainingsschuhen durch die Menge, wirft kurz eine Nelke auf die Grabplatten und joggt gemütlich durch die anstehenden Massen zurück zum Ausgang.
Für Ingeborg Eckert wären solche Spontanbesuche undenkbar. Sie ist 82 Jahre alt und kommt seit 1955 jedes Jahr hierher. Inzwischen gedenkt sie auch einer Arbeitskollegin, die »in der zweiten Reihe« hinter den »Großen« auf dem Friedhof begraben ist. Für sie ist die Gedenkveranstaltung wie ein kleiner Festakt. Am Abend vor der Kranzniederlegung kocht sie seit Jahren Kohlrüben ein, die es dann immer am Sonntag gibt. Jedes Mal trifft sie vor dem Gedenkstein auf alte Bekannte und Nachbarn, die lädt sie alle zum Essen ein. »Solange mich meine Füße tragen, werde ich hier herkommen«, sagt sie und wird dann gleich von ihrem Mann zu umstehenden Freunden weiter gereicht.
Auch für den Berliner Landesvorsitzenden der Linkspartei, Klaus Lederer, ist das Gedenken an Rosa und Karl eine »Daueraufgabe«, wenngleich sein Kontext ein anderer ist. »Für mich ist es wichtig zu zeigen, dass es eine Alternative zu diesem System der Finanzakkumulation gibt«.
Mittlerweile hat der Demonstrationszug vom Frankfurter Tor den S-Bahnhof Lichtenberg erreicht und schlängelt sich mit »Völker, hört die Signale« durch die Gudrunstraße, vorbei an den zahlreichen Ständen und Imbissbuden, die sich vor der Gedenkstätte aufgebaut haben. Besucher des »stillen Gedenkens« und Demonstranten werden nun quasi zwangsvereinigt. »Oh, da kommen wir ja niemals vorbei«, sagt eine Frau, als sie den Demotross auf sich zukommen sieht. »Na, dann laufen wir doch einfach mit.« Vor den Eisentoren rollen die DKP und die kommunistische Partei der Türkei (TKP/ML) ihre Transparente ein, alle gehen nun gemeinsam zum Grab der beiden Sozialistenführer, immer im Kreis um die Gedenkstätte herum.
Von den Grabsteinen ist inzwischen nichts mehr zu sehen. Sie sind unter einem Berg roter Nelken begraben.
Nun fasst Euch an. Immer im Kreis herum.Tut mir leid, ich kann's mir nicht verkneifen. Die Stimmungsbeschreibung in allen Ehren...
Aber mal im Ernst: Die Bildunterschrift zu Foto N.8 der Galerie sagt leider nichts darüber, wer diesen Stein aufgestellt hat. Und die Wertung dieses Mahn-, Gedenk- oder was weiß ich Steins, die unter dem Bild steht, ist nicht einer danebenstehenden Erläuterungstafel entnommen, oder? Der Autor sollte schon dazuschreiben, dass es sich um (s)eine Interpretation des Sinnes dieses Steins handelt. Sonst könnte evtl. jemand auf den Gedanken kommen, die Linke hätte ihn aufgestellt...
"Diese heftigen Reaktionen rief der Stein in diesem Jahr nicht mehr hervor."
Mm, gab nur eine kleine Schlägerei. Wann kommt das Ding endlich weg?
Eine blöde Überschrift !
Kocht sie am Abend vor der Demo keine Kohlrüben ein, sondern vor.
Übrigens: Christine Odoj, was soll die Häme? Hat sie jemand bei Dir bestellt?
Rotspoon, 15. Jan 2012 21:03
Übrigens: Christine Odoj, was soll die Häme? Hat sie jemand bei Dir bestellt?
Übrigens!
Sprachfindung, Was liest sich wie ?
Am Sprachausdruck sollte man auf Erkenntnis stoßen!
Staatsmedium ARD: "Mehrere tausend Menschen..."
Neues Deutschland: "Auch diesmal kamen wieder Zehntausende."
Die Zahl lag gefühlt irgendwo dazwischen.
Berndchen, 15. Jan 2012 21:46
Zitat:
"Weder noch.
Die Zahl lag gefühlt irgendwo dazwischen."
Wer verläßt sich jetzt auf Dein Gefühl?
Nun hab ich schon 3 Meinungen, die etwas gezählt oder gefühlt haben.
Michel ist der Meinung die Staatsmedien liegen richtig und Du mit Deinen Gefühlsausbrüchen.
Ich bin von der Sprache des "ND" überzeugt !
Mein Mitgefühl gilt aber trotz alledem den Andersdenkenden, die ihrer Schwäche zum Opfer fallen.
Ich bin nicht der Oberlehrer, aber Rosa Luxemburg legte (aus guten Gruenden fuer Ihre Zeit) immer wert auf die Anrede Fraelein Dr. Luxemburg.
In der Bildergalerie des ND-online von heute heisst es:
Dieser Stein war sehr umstritten, wurde während des ersten Luxemburg-Liebknecht-Gedenkens nach der Errichtung im Januar 2007 geschändet. Diese heftigen Reaktionen rief der Stein in diesem Jahr nicht mehr hervor.
Alle die dabei waren, wissen, das Der Landesgeschäftsführer der LINKEN Carsten Schatz nur durch beherztes Eingreifen eine Farbattacke verhindern konnte und die BZ zeigt Fotos von der Schändung durch Stalinisten. Ich erwarte eine Richtigstellung des ND. Schliesslich heisst der Chefredakteur nicht mehr Joachim Hermann!
Quelle:www.bz-berlin.de/bezirk/lichtenberg/randale-bei-rosa-luxemburg-demo-article1363324.html
und www.facebook.com/carsten.schatz/posts/10150526526547207
... meine 107 Fotoimpressionen sind unter www.carookee.net/forum/freies-politikforum/1/28652702#28652702 eingestellt.
"Alle die dabei waren, wissen, das Der Landesgeschäftsführer der LINKEN Carsten Schatz nur durch beherztes Eingreifen eine Farbattacke verhindern konnte und die BZ zeigt Fotos von der Schändung durch Stalinisten."
... ich war bis gegen 12 Uhr an der Gedenkstätte der Sozialisten, da war von Eskalationen rund um diesen sogenannten Gedenkstein, auch Schandklamotte genannt, nichts zu sehen. Ich hab's in der Fotoserie unter www.carookee.net/forum/freies-politikforum/1/28652702#28652702 auf den Fotos 89 - 94 dokumentiert. Ansonsten empfehle ich mal die Stellungnahme der 88jährigen Erika Baum unter www.antifa.de/cms/content/view/712/95/ und unter de.indymedia.org/2012/01/323054.shtml ist nachzulesen, wie erbärmlich die Demo ausgerechnet am Ehrengedenken an Karl und Rosa zuvor von Antideutschen provoziert wurde.
... und auch deshalb bin ich der Meinung, daß die rassistische, kriegstreiberische Politsekte BAK Shalom endlich aus der Partei entfernt werden muß!
... im übrigen finde ich es mehr als beschämend, daß eine vermeintlich linke Sekte, die Antideutschen, und ihre eingebundenen Fotografen den Ehrengedenktag von Karl und Rosa in den Dreck ziehen, indem sie durch gezielte Provokation der Repression Munition gegen LINKE liefert und der Hetzjournaille auch noch entsprechende Fotos - gegen Bezahlung, versteht sich - zur Verfügung stellt. Das ist einfach nur schändlich, ganz egal, ob einem die Transpis mit Lenin, Stalin und Mao mißfallen!
... und deshalb bin ich der Meinung, daß die rassistische, kriegstreiberische Politsekte BAK Shalom endlich aus der Partei entfernt werden muß!
... hinzuzufügen ist noch, daß an dem Skandalstein ein Kranz mit Schleifen ausgerechnet in den deutschen Nationalfarben abgelegt war, womit klar ist, daß damit bewußt provoziert werden sollte und eine mögliche Eskalation in Kauf genommen wurde. Hat Carsten Schatz ( de.wikipedia.org/wiki/Carsten_Schatz ) diesen Kranz übersehen und/oder die möglichen Folgen etwa nicht bedacht?
... wie auch immer, ich bin der Meinung, daß die rassistische, kriegstreiberische Politsekte BAK Shalom endlich aus der Partei entfernt werden muß!
Herzlichen Dank für das Einstellen der Fotos.
Man bekommt ja bei der Berichterstattung der Staatsmedien den Eindruck, dass es Solidarität solcher Art, garnicht mehr gibt.
Appropos, Solidarität !
In welcher Versenkung der Staatsmedien, sind eigentlich die Vielzahl der Millionäre verschwunden, weil die Hartz4-Parteien deren Geld nicht haben will und lieber die Niedriglöhner, Rentner und Armen schröpft ?
Herzlichen Dank für das Einstellen der Fotos.
Man bekommt ja bei der Berichterstattung der Staatsmedien den Eindruck, dass es Solidarität solcher Art, garnicht mehr gibt.
Appropos, Solidarität !
In welcher Versenkung der Staatsmedien, sind eigentlich die Vielzahl der Millionäre verschwunden, weil die Hartz4-Parteien deren Geld nicht haben will und lieber die Niedriglöhner, Rentner und Armen schröpft ?
Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir werden das prüfen und entsprechend richtigstellen. Die nd-Onlineredaktion
Zitat:
"ND vertuscht Schändung des Steins für die Opfer des Stalinismus
In der Bildergalerie des ND-online von heute heisst es:
Dieser Stein war sehr umstritten, wurde während des ersten Luxemburg-Liebknecht-Gedenkens nach der Errichtung im Januar 2007 geschändet. Diese heftigen Reaktionen rief der Stein in diesem Jahr nicht mehr hervor."
Leider ist es so wie es ist.
So was kommt von so was.
Man fügt nicht zusammen, was nicht zusammen gehört.
Entstehender Schaden in den Köpfen aller Beteiligten, könnte unreparierbar sein, Schändung oder Nichtschändung !
Danke für die Blumen :-)
... mittlerweile habe ich auch den Textbericht fertig, er ist unter www.carookee.net/forum/freies-politikforum/1/28653598#28653598 eingestellt.
"Weg damit" ist auch keine Lösung.
Ich rege hiermit an, noch einen Stein aufzustellen, schön rund geschliffen und glatt poliert, mit der Inschrift "Den Opfern".
Sehr schön geschrieben, verleiht einem alten, oft beschriebenen Thema frischen Schwung ohne zu werten. Titel würde ich einfach mit Humor nehmen, den die Autorin offensichtlich auch besitzt. Hatte nach Artikel das Bedürfnis, in der Kälte Kohlrüben zu essen, war dieses Jahr nämlich leider nicht da. Deshalb danke für die gefühlte Teilnahme!
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Vielen Dank für Deinen Tipp !
Ich bleibe lieber bei dem unbequemen Weg, denn ich möchte nicht ungehört oder ungelesen untergehen.
ist eine gute Idee
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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