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Von Benjamin Beutler 16.01.2012 / Umwelt

Boliviens Wasser unter Druck

UN-Millenniumsziel vorzeitig erreicht / Verschwendung und Verschmutzung bleiben ein Problem

Das Millenniums-Entwicklungsziel der Vereinten Nationen, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und Abwasserversorgung bis 2015 zu halbieren, hat Bolivien nach Regierungsangaben im Jahr 2011 erreicht.

Mit einem Milliarden-Investitionspaket arbeitet Bolivien am Ausbau seiner Wasserinfrastruktur. Darüber informierte jüngst der Präsident des zuständigen »Nationalen Investitionsfonds für Produktion und Soziales« (FPS), Vladimir Sánchez. Das selbst gesteckte Ziel der regierenden »Bewegung zum Sozialismus« (MAS), 78 Prozent der Bevölkerung bis zum Jahr 2015 mit Trinkwasser zu versorgen, sei bereits erreicht worden.

Das überrascht kaum. Schon 2001 hatten 72 Prozent der zehn Millionen Bolivianer Zugang zu sauberem Trinkwasser, auf dem Land allerdings nur knapp jeder Zweite. Die größten Verbesserungen wurden beim Anschluss an Abwassersysteme und Kläranlagen erzielt, von 40 Prozent auf 50 Prozent, so die »Überprüfungsbehörde für Wasser und Sanitärversorgung« (AAPS). Bis 2015 sollen acht von zehn Bolivianern in den Genuss eines Kanalanschlusses kommen.

Im Gegensatz zum Regen fällt der Fortschritt nicht vom Himmel. Seit Anfang 2010 seien über 1,1 Milliarden US-Dollar in das staatliche Programm »Mehr Investitionen für Wasser« (MiAgua) geflossen, so der FPS-Chef nicht ohne Stolz. 60 Prozent gehen in den Ausbau der Wasserversorgung, 40 Prozent in Bewässerungssysteme der Landwirtschaft.

Doch es bleibt noch viel zu tun. Laut einer aktuellen Studie der deutschen »Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit« (GIZ) gehen in Millionenstädten wie der Hauptstadt La Paz und der Tiefland-Metropole Santa Cruz rund 30 Prozent des Trinkwassers durch mangelhafte Infrastruktur und Verschwendung verloren. Das Abschmelzen der Andengletscher Chacaltaya und Tuni Condoriri durch den Klimawandel könnte in Zukunft ernsthafte Engpässe in der Trinkwasserversorgung von La Paz und dem benachbarten El Alto verursachen, da die Gletscher wichtige Trinkwasserspeicher sind. Experten fordern deshalb schon seit Jahren einen bewussteren Umgang mit dem kostbaren Nass.

Medial kaum beachtet wird die Verunreinigung von Flüssen, Seen und Grundwasser. Industrieabfälle, Bergbau, Landwirtschaft, Fischerei und der Dreck der Städte sind die Hauptverschmutzer, konstatiert der Wissenschaftler Brian F. González Pinelli. Im Hochland-Departamento La Paz erfülle keine einzige Fabrik Auflagen des Umweltschutzgesetzes von 2009. 58 Prozent vor Ort entnommene Proben enthalten Farbchemikalien. Alle Abwässer von Pharma-, Papier- und Textilfirmen stinken stark. Und bei mehr als 80 Prozent ist der Biologische Sauerstoffbedarf (BSB) - ein Messwert für den Grad der Verschmutzung - stark erhöht. Im amazonischen Tiefland-Departamento Santa Cruz pumpt die Zuckerrohrindustrie ihre Abwässer aus Zuckerrohrpressen, Alkoholdestillationsanlagen und Maschinen unkontrolliert in die Flüsse. Riesige Raffinerien wie »La Belgica« und »Guabirá« verfügen über gar keine oder kaum funktionierende Kläranlagen, so Pinelli. Überdies ersticken die Städte im Müll. Landesweit haben nur 29 von 337 Gemeinden Anlagen zur Müllverwertung. Weil 90 Prozent der jährlich 1,7 Millionen Tonnen unter freiem Himmel lagern, sickern von dort viele Umweltgifte ins Grundwasser.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • juanita, 16. Jan 2012 10:53

    Das Wasser abgraben

    Besonders verheerend für viele arme Länder ist die Tatsache, dass das Wasser für den Bergbau oder Landwirtschaft kostenfrei ist. In San Cristobal, Potosí pumpen ausländische Konzerne das Grundwasser ab. Das bitterarme Potosí verschenkt ein kostbares Gut. Die Folgen werden noch verheerender sein, als der Raub des Silbers durch die Spanier. Potosí wird austrocknen. Dazu Roberto Moran: Minando el agua.

    Maria Eugenia Chavez
    Düsseldorf

    • Permalink

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