Da wunderte sich der geneigte Fernsehzuschauer am Sonntagvormittag beim Start von Maria Höfl-Riesch in Cortina d'Ampezzo. Nicht über die deutsche Skirennläuferin, sondern über das, was sie sahen, just bevor sich Höfl-Riesch mit den Stöcken abstieß. Die bis dahin führende Slowenin Tina Maze öffnete in der »Leaders box« den Reißverschluss ihres Rennanzugs und entblößte ihren Sport-BH. Darauf konnte man lesen »Not your business« - Geht Euch nix an!
Maze griff zu der ungewöhnlichen Protestform, da sie zuvor wegen ihrer Unterwäsche mit der Konkurrenz und dem Weltverband FIS aneinandergeraten war. Die Schweizer hatten eine Woche zuvor gegen Mazes Unterwäsche Protest eingelegt: Sie ließe nicht genug Wind hindurch. Also überprüfte die FIS das Kleidungsstück. So weit ist die Technisierung des Wettkampfsports schon gekommen, dass die Unterwäsche der Athleten normiert und kontrolliert werden muss.
Maze findet jedenfalls, dass das, was sie drunter trägt, niemanden etwas angeht. Leider sieht das die FIS nicht so, denn es gibt tatsächlich eine Vorschrift dazu, wie durchlässig Unterwäsche im alpinen Rennsport zu sein hat. Das Dumme ist nur, dass der Verband sich selbst schwer tut mit der Einhaltung der Regeln. Nach der Untersuchung bescheinigte er Maze die Legalität der Wäsche, riet aber trotzdem vom Verwenden der gleichen ab. Nun weiß keine so richtig, was sie anziehen darf.
Die FIS war Maria Höfl-Riesch jedenfalls dankbar für ihre schnelle Fahrt. Maze musste den Platz vor der Kamera räumen. Wer weiß, was sie noch so alles vorbereitet hatte. Oliver Händler
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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