Hat die brandenburgische Landtagsabgeordnete Gerlinde Stobrawa (LINKE) nicht genügend über ihre Kooperation mit dem Ministerium für Staatssicherheit informiert und so ihre Partei und die Wähler getäuscht? Dann müsste sie ihr Mandat niederlegen. Doch Stobrawa bestritt dienstliche Kontakte nie. Dass sie als Inoffizielle Mitarbeiterin geführt wurde, will sie indessen nicht gewusst haben. Was ist noch dienstlich, wenn eine Abteilungsleiterin im Rat des Bezirkes Frankfurt (Oder) in Gesprächen mit einem Stasi-Offizier ihren Stellvertreter beurteilt? Sind angeblich überhebliches Auftreten, ein fast neues Auto und eine Drei-Raum-Wohnung Privatsache bei Genossen, die dem Papier nach Vorbild an Bescheidenheit sein sollten? Davon abgesehen war es für jemanden in Stobrawas Funktion selbstverständlich, mit dem Ministerium zu reden.
Für Stasi-Insider klingen die Beteuerungen der Politikerin glaubwürdig, für die Stasi-Kommission des Landtags nicht. In dem Fall geht es sehr um Stimmung und Meinung. Der Druck auf Stobrawa wird vorerst nicht nachlassen. Was zu tun ist, dürften ihr weder Journalisten noch der Koalitionspartner SPD und schon gar nicht die Opposition sagen. Das muss sie im Wissen um ihre Vergangenheit ganz allein entscheiden.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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