Nein, die Summe werde er nicht verraten. »Die kennen nur Nikolaj Markussen und ich«, sagt Peter Krogh Bertelsen, Berater des dänischen Rückraumspielers, geheimnisvoll. Es muss sehr viel Geld sein, welches die Qatar Handball Association (QHA) dem 23-jährigen Halblinken von Atlético Madrid geboten hat, damit er die Nationalität wechselt, um bei der WM 2015 im Wüstenstaat für Katar aufzulaufen.
In dänischen Medien wurde viel über die Summe spekuliert, nachdem Markussen die Existenz des unmoralischen Angebots bestätigt hatte. »Es war in Dänemark ein wirklich großes Thema«, sagt Bertelsen. Von einigen Millionen Kronen war die Rede, also über 250 000 Euro. Für Jungstar Markussen kam ein Wechsel dennoch nicht in Betracht. »Ich sollte das dänische Trikot weglegen. Das konnte ich einfach nicht«, erklärte Markussen, der bei der EM in Serbien also für Dänemark aufläuft.
Für Heiner Brand kommt die Diskussion nicht überraschend. »Man kennt diese Entwicklung ja aus der Leichtathletik, wo Verbände aus Katar oder Bahrain viele Sportler dazu bewegen, für sie anzutreten«, sagt der Manager des Deutschen Handballbundes (DHB). »Aber deshalb muss man das nicht gutheißen«, sagt Brand. »Sollte das so stattfinden, wäre das eine Pervertierung des sportlichen Gedankens.« Auch Bundestrainer Martin Heuberger schüttelte den Kopf, als er von der Entwicklung hörte: »Das wäre eine Katastrophe.«
Dass diese Debatte zur EM ausbricht, ist kein Zufall. Denn die Regeln der Internationalen Handball-Föderation (IHF) sehen vor, dass Nationalspieler bei einem Wechsel drei Jahre pausieren müssen. Auf ihrem Kongress 2011 in Marrakesch hat die IHF zudem verfügt, dass nur noch ein Nationalitätenwechsel möglich ist.
Hintergrund des Beschlusses waren die vielen Wechsel von Sergej Rutenka (FC Barcelona), der schon für Belarus und Slowenien spielte und danach beabsichtigte, für Spanien aufzulaufen; heute trägt er wieder das Trikot seiner Heimat Belarus.
Die Katarer haben gegenüber dem dänischen Fernsehsender TV2 bestätigt, dass sie für die Heim-WM eine schlagkräftige Mannschaft in Europa zusammenkaufen wollen. »Es gibt ein Komitee, das alle Möglichkeiten auslotet. Wenn es einen guten Spieler oder großen Namen gibt, dann wollen wir ihn in das Team für 2015 aufnehmen«, sagte Verbandspräsident Ahmed Mohammed Al-Shaabi. Für die Araber gehört diese Politik zum Alltag. Auch für die Klub-WM in Doha kaufen sich die Scheichs stets europäische Spitzenkräfte ein. Vor allem Profis vom Balkan folgten bislang dem Ruf des Geldes, wenn in einer Woche bis zu 30 000 Petro-Dollar zu verdienen waren.
In Dänemark ist der Ärger dennoch groß. Nationaltrainer Ulrik Wilbek glaubt gar, dass auch die EM-Absagen anderer Stars mit den Werbungen der Wüstensöhne zusammenhängt, er nannte die Namen weiterer Topprofis von Atlético Madrid: Torwart Arpad Sterbik und Linksaußen Jonas Källmann, die wegen Herzoperationen das Turnier abgesagt hatten. Alle wüssten, dass Talant Dushebajew - Coach in Madrid - Katar bei der WM 2015 trainieren solle, erklärte Wilbek. Ob was dran ist an diesen Gerüchten, zeigt sich spätestens 2015.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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