nd: Herr Foos, wie viele Weinflaschen mussten Sie eigentlich trinken, um das Material für die Yogis zu sammeln?
Etwa 750. Nicht jeder Korken ist brauchbar und dann gibt es auch noch Plastikkorken. Die gehen überhaupt nicht. Nein im Ernst. Ich bin sehr stolz, dass ich seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr rauche und auch schon vier Jahre keinen Alkohol mehr getrunken habe.
Woher kam denn die Idee?
Auslöser war ein Artikel im Tagesspiegel in dem die »Little People« des Londoner Straßenkünstlers Slinkachu vorgestellt wurden. Ich fand das so toll, dass ich dachte, so etwas möchte ich auch machen. Zuerst hatte ich an Plastikfiguren gedacht. Aber das ist nicht mein Material. So bin ich auf Kork gekommen. Yoga ist meine Berufung und Leidenschaft, also sollten die Korkmenschen Yogastellungen machen.
Wer mit gesenktem Kopf durch die Stadt läuft, wird die Yogis auf den Straßenschildern wohl nie bemerken. Steckt dahinter eine Botschaft?
Die Frage war, wo ich sie platziere, damit sie einerseits gesehen werden können und andererseits nicht gleich mitgenommen werden. Das ist auf den Berliner Straßen gar nicht so einfach. Und ich denke, dass ich mit den Straßenschildern eine ganz gute Lösung gefunden habe. Ob sich die Yogis zeigen oder nicht, hängt vom Betrachter und sicherlich auch von Zufällen oder Karma ab. Und die einzige Botschaft, die sie von mir gewollt aussenden ist: »Freu Dich - Du bist ein Glückskind, weil Du mich gesehen hast!«
Wie kommen Sie eigentlich oben auf die Straßenschilder hinauf?
Ausgangspunkt ist mein Fahrradsattel, von dem aus ich die Yogis bis zum Sommer geklebt habe. Meine neue Klettertechnik bleibt ein Betriebsgeheimnis.
Wie reagieren die Menschen, wenn Sie auf Ihrer Klebetour durch die Straßen ziehen?
Die meisten reagieren überhaupt nicht. Manchmal beobachte ich aber wie sich die Spannung im Gesicht der Betrachter löst, wenn sie sehen, dass ich einen Yogi aufklebe und nichts kaputt machen will. »Du kannst ruhig weitermachen, ich verpfeif Dich nicht«, war auch eine sehr schöne Reaktion.
Welcher war denn der bisher aufwendigste Yogi?
»Der Strohballenroller« und »Gaia in Action« waren harte Arbeit. Beim Strohballenroller, den ich vor dem Strohballenrollen am Richardplatz aufgeklebt hatte, musste ich zum Beispiel fünf Mal hochklettern. Funktioniert hat es dann erst, als ich mir für den Strohballen zu Hause eine ganz andere Befestigungsmöglichkeit überlegt hatte.
Bei »Gaia in Action« musste ich sogar mehrmals hinfahren und insgesamt sechs Mal hochklettern, bis ich »Phönix« - den zweiten, gefiederten Teil der Figur - auf dem Schild hatte. Aber der Einsatz hat sich wirklich gelohnt, selbst wenn die Figur nur drei Tage auf dem Schild hielt.
Interview: Christin Odoj
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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