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Von Karin Leukefeld, Beirut 18.01.2012 / Ausland

Ban reizt die Hisbollah

UNO-Generalsekretär forderte in Libanon Entwaffnung der Schiiten-Partei

Wozu sich der UNO-Generalsekretär bei seinem Libanon-Besuch auch äußerte - ob zur Entwaffnung der Hisbollah oder den Unruhen in Syrien - seine Aussage polarisierten in dem politisch ohnehin gespaltenen Land. Dagegen vermisste man Aussagen zu den bewaffneten Aufständischen im Nachbarland.

Als UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit seiner Delegation am Montagabend abreiste, beherrschte allerdings schon wieder ein anderes Thema die Schlagzeilen der libanesischen Medien: ungezügelte Baumaßnahmen und Korruption in der Hauptstadt Beirut. Beim Einsturz eines alten Wohnhauses waren in der Nacht zum Montag mindestens 27 Menschen getötet worden.

Offizieller Anlass von Bans Libanon-Besuch waren eine UN-Konferenz über »Reform und Übergang zur Demokratie« in den arabischen Staaten am Wochenende in Beirut sowie die Ernennung des britischen Diplomaten Derek Plumbly zum neuen UN-Beauftragten für Libanon. Bei seinen Gesprächen mit der libanesischen Regierung verlangte Ban, endlich die UN-Resolution 1559 durchzusetzen und die Hisbollah, die Partei der Schiiten, zu entwaffnen. Deren Waffen seien »außerhalb der Reichweite staatlicher Autorität und daher sehr gefährlich für Frieden und Sicherheit in Libanon und der Region«, so Ban.

Seit den letzten Wahlen ist die Hisbollah allerdings in der Regierung vertreten. Hisbollahführer Hassan Nasrallah betonte denn auch, die Partei werde ihre Waffen nicht abgeben. Der Bevölkerung in Libanon solle die Sicherheit gegeben werden, dass es »niemals wieder eine Besetzung oder andere Verbrechen« von Israel gegen Libanon geben könne. Der UN-Generalsekretär habe dazu »keine Alternative« anzubieten. Israel war seit 1978 mehrmals in das nördliche Nachbarland einmarschiert. Zwischen 1982 und 2000 hielten israelische Truppen Teile den Südstreifen Libanons besetzt.

Deutlich äußerte sich Ban zu den Unruhen im Nachbarland Syrien. Er forderte dessen Präsidenten Baschar al-Assad auf, »die Gewalt zu stoppen« und sagte wörtlich: »Hören Sie auf, Ihr Volk zu töten.« Der »Wind des Wandels« sei nicht aufzuhalten. Medienberichten zufolge äußerte sich Ban nicht zu der von den bewaffneten Aufständischen in Syrien ausgehenden Gewalt.

Die Äußerungen des Emirs von Katar, Scheich Hamid bin Khalifa al-Thani, der tags zuvor den Einmarsch arabischer Truppen in Syrien ins Spiel gebracht hatte, kommentierte Ban ebenfalls nicht. Erneut war es Nasrallah, der den schärfsten Widerspruch zum UN-Generalsekretär formulierte. Er rief die Opposition innerhalb und außerhalb Syriens auf, mit Assad bei der Umsetzung der von ihm angekündigten Reformen zusammenzuarbeiten.

Die Waffen in Syrien müssten schweigen, so Nasrallah weiter. »Alle Fragen sollten im Dialog gelöst werden.« Insbesondere Iran und die Türkei forderte er auf zu helfen, die Lage in Syrien zu beruhigen, anstatt sie zu verschärfen, so Nasrallah.

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8 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Ani-metaber, 18. Jan 2012 14:12

    Ich hatte nicht den Eindruck, die Hisbollah wäre über Ban Ki-moon „gereizt“ gewesen,

    und in den Hörfunknachrichten wurde auch berichtet, Ban habe „Israel“ aufgefordert die Besatzung der „Palästinensergebiete“ aufzugeben
    Es ist kein Geheimnis, erst der israelische Einmarsch im Libanon war es, der die Hisbollah hervorbrachte, es war der militärische Widerstand, der die Is-Soldateska zum Abzug zwang nachdem sich sich weitgehend unbeliebt gemacht hatte, auch bei denen die ihren Einmarsch Anfangs begrüßt hatten.
    Der letzte Feldzug der IDF brachte Zerstörung und Elend in den Libanon, feststellbar wandte er sich nicht hauptsächlich gegen militärische Einrichtungen sondern versuchte die Zivilbevölkerung in Notlagen zu bringen – dabei wurde der IDF eine Lektion erteilt.
    Ban weiß, eine Auflösung der militärischen Teile der Hisbollah kann erst erfolgen, wenn die inneren Verhältnisse im Libanon die Berücksichtigung gerade der bislang benachteiligten Bevölkerungsgruppen garantiert und der Staatsapparat nicht zum Instrument von inneren und äußeren Kapital- und westlichen Auslandsinteressen verkommen ist. Er muss aber auf die Zielsetzungen der Resolution 1701 hinweisen.

    Für die Ermordung Hariris gibt es zahlreiche Motive, das Wirken der Hisbollah
    (die gewisse Kreise ähnlich zu verunglimpfen suchen wie die Widerstandsorganisation Hamas)
    im Libanon findet nicht nur Ablehnung.

    Zum Anhören über Geldscheffeln und Wohnen im Libanon:
    ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/27/dlf_20111227_1915_2d71b935.mp3

    zum begleitenden Lesen:
    www.dradio.de/download/155404/

    „,Insbesondere Iran und die Türkei forderte er auf zu helfen, die Lage in Syrien zu beruhigen, anstatt sie zu verschärfen..“ was kann man da Nasrallah vorwerfen und erst vor Tagen hatte ein israelisches Kampfflugzeug wieder einmal etwas über dem Libanon verloren.

    www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/report-israeli-warplane-drops-object-near-south-lebanon-town-1.406538

    • Permalink

    • timundstruppi, 20. Jan 2012 20:58

      Re: Ich hatte nicht den Eindruck, die Hisbollah wäre über Ban Ki-moon „gereizt" gewesen,

      du hast in so vielem recht, aber mal wieder vor allem westliche einmischung zu erwaehnen? mhh. was sagst du denn zu anderen laendern, wie iran, saudi-arabien und syrien? die mischen sich ja auch ein. kann mensch ja einfach mal sagen! - neben dem westen!

      • Permalink

  • timundstruppi, 17. Jan 2012 22:17

    leukefeld kann es nicht lassen...

    ...unser aller friedensengel nasrallah! er schuetzt die armen libanesen vor den imperialistischen juden :) haha!
    ich moechte einmal die reformschritte sehen, die jemand hervorbringt, dessen familienclan seid 41 jahren das land regiert und dessen familie viele anderen groessen fimen besitzt.
    in deutschland wuerde man, wuerde die linke ihr programm umsetzen sagen, das ist zuviel reichtum in den haenden von zu wenigen - umverteilung sofort! aber wenn es in syrien ist, dann ist das anders.
    tschuess universelle menschenrechte!

    en.wikipedia.org/wiki/Assads

    • Permalink

    • guenter1952, 19. Jan 2012 16:55

      Re: Das viele Libanesen

      Israel als "imperialistisch" empfinden, kann man bei der Geschichte
      zwischen diesen beiden Staaten doch wohl nachempfinden.
      Und das die Hisbollah der IDF beim letzten Krieg Israels gegen den
      Libanon recht erfolgreich Paroli geboten hat, stimmt auch.
      Übrigens hat die Hisbollah nichts gegen Juden, wohl aber eine Menge
      gegen radikale Zionisten und die Aktionen der IDF auf fremdem Territorium.
      Übrigens:
      Das Gleichsetzen von Kritik am Staat Israel mit Kritik an
      Juden, um die Kritiker des "Antisemitismus" bezichtigen zu können,
      hat doch schon einen Bart.

      • Permalink

      • timundstruppi, 20. Jan 2012 21:03

        Re: Re: Das viele Libanesen

        lieber guenther,
        aber bitte doch nicht so einseitig. der konflikt an der israelisch-libanesischen grenze ist natuerlich vielschichtig und beide seiten sehen sich selbst stets REAGIEREND und nicht agierend. siehe auch hier:
        de.wikipedia.org/wiki/Libanonkrieg_1982
        zu konflikten ist es meist gekommen, weil etwas vorher passiert ist,weil wiederum vorher etwas passiert ist, da abermal vorher etwas - na du weisst schon. den grund einfach in den imperialistischen - nach land suchenden - israelis zu suchen, ist zu einfach.

        noch eine frage: was unterscheidet denn radikale zionisten von zionisten?

        • Permalink

        • guenter1952, 20. Jan 2012 21:58

          Re: Re: Re: Hallo Tim und Struppi,

          nach dem letzten Libanonkrieg 2006 fand in Israel ein Untersuchungs-
          ausschuss statt, weil man mit dem Libanonkrieg nicht zufrieden war.
          (Man hatte das eigentliche Kriegsziel nicht erreicht,s.u.).
          Dieser israelische Untersuchungsauschuss hat u.a. folgendes festgestellt:
          - der Krieg wurde von Israel bereits ein halbes Jahr vor Beginn geplant,
          als die Planung abschgeschlossen war und man beginnen wollte, fanden
          die Zwischenfälle an der Grenze statt, die man dann als Kriegsgrund
          "verkaufte".
          - Israels Ziel dieses Krieges war, die Hisbollah im Libanon zu zerschlagen bzw. so weit zu schwächen, das sie für Israel keine Gefahr mehr darstellt.
          Und das deshalb, weil man im Falle eines Angriffs auf den Iran befürchtet, das die Hisbollah den Iran vom Libanon aus unterstützt. Israel hat 2006
          den Libanon angegriffen, um den Rücken frei zu bekommen für einen
          Angriff auf den Iran!
          Das war der Grund des Libanon-Krieges 2006- und das ist keine Unterstellung sondern Teil des offiziellen Berichts des o.g. Untersuchungsausschusses.
          .
          .
          Und was unterscheidet denn radikale zionisten von zionisten?
          .
          Die zionistische Idee war doch eigentlich, eine sichere Heimstatt für Juden
          zu etablieren, entstanden vor dem Hintergrund der antisemitischen Progrome in Osteuropa und verstärkt durch die Vernichtung der Juden
          durch die Nazis. Gegen diese Idee kann man nichts haben, insofern
          ist für mich die zionistische Idee eines sicheren Landes nachzuvollziehen.
          .
          Leider war das Land, das man sich als sichere Heimstatt wählte, aber nicht unbewohnt - und leider gab und gibt es in der zionistischen Bewegung immer Leute, die bereit waren, die sichere Heimstatt mit Terror, Gewalt und Vertreibung zu erobern. Im West-Jordanland machen sie es
          heute noch. Also, wer die Rechte anderer missachtet, ihnen ihr Land raubt; wer aus strategischen Gründen ein anderes Land angreift, s.o., dort über 1000 Menschen tötet und alles mögliche zerbombt, der gehört für mich
          nach Den Haag.

          • Permalink

          • timundstruppi, 20. Jan 2012 22:43

            Re: Re: Re: Re: Hallo Tim und Struppi,

            nun gut - obwohl ich den bericht nicht gelesen habe, sehe ich die gruende fuer den angriff auf die hisbollah auch voellig gerechtfertigt, denn der jüdische staat akzeptiert es zu recht nicht, dass menschen mit raketen den staat erpressen koennen und juden aus der region vertreiben wollen. dies wird nicht geduldet, daher ist es nur schluessig sich zu wehren.
            israel wird und kann nicht einen staat wie den iran akzeptieren, der offiziell sagt, dass der zionismus an sich verbrecherisch ist und es den staat israel zu vernichten gilt. wenn iran dann auch noch aussenposten in anderen ländern erichtet, ist es nur schluessig, dass sich israel dagegen wehrt bzw. auf entprechende auseinandersetzungen vorbereitet ist.
            interessant is es gegenwärtig aber vielmehr, dass alle gegen eine ausländische intervention schreien, aber hisbollah und iran maechtig mithelfen assad kämpferisch zu unterstützen. das ist dann keine ausländische einmischung, oder wie?

            ok, dann muesste wir jetzt über die zeit der staatsgruendung israels reden und die zeit davor. das geht aber hier nicht so einfach. es gab natuerlich kein leeres land, aber einen un-teilungsplan, der von der arabischen seite mit waffen gegen die israelis beantwortet wurde. aber das siehst du ja ganz anders. egal. schoenen abend! und vielleicht ist zumindest assad bald geschichte. das waere schoen. was danach kommt, solte das syrische volk einmal wirklich selbst bestimmen!

            • Permalink

    • Rotspoon, 19. Jan 2012 17:09

      Oh @timu... Du kannst es nicht lassen

      Ich sage nur tse tse tse

      • Permalink

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