In den Siebzigern gehörten die Muppets zu den Pflichtterminen im samstagnachmittäglichen Fernsehprogramm jedes bundesdeutschen Haushaltes mit etwas Humor. Die Puppen von Puppenspieler Jim Henson, allen voran Kermit der Frosch, der die halbstündigen Episoden der »Muppet Show« einführte, und Schweinedame Piggy, die blondgelockte Diva, die auch mal handgreiflich wurde, wenn der »Frosch ihres Lebens« Widerstand gegen ihre Starallüren oder ihren dringenden Heiratswunsch vorbrachte. Fozzie der Bär mit seinen unkomischen Witzen und der dänische Koch mit seinem »Smørrebrød, smørrebrød, røm, pøm, pøm, pøm« (das der deutsche Synchronsprecher erfunden hat, im Original ist der Koch nämlich Schwede und schier überhaupt nicht verständlich), dem stets ein forscher Wurf der Küchenutensilien über beide Schultern folgte, waren Kult.
Lang, lang ist's her. Zwölf Jahre nach ihrem Kinofilm »Muppets aus dem All«, in dem der hakennasige Gonzo endlich erfuhr, dass er ein Außerirdischer ist, hat die Welt die Muppets vergessen - jedenfalls in der Version ihrer Mediengeschichte, die jetzt auf die Leinwand kommt. »Ihr seid nicht marktgängig, euch will niemand mehr sehen«, bekommen sie von einem Fernsehmanager nach dem anderen zu hören, bevor das Wegbrechen eines geplanten Quotenbringers einen von ihnen doch noch dazu bewegt, den Muppets die Chance für ein Comeback zu geben. Und die haben keine Zeit zu verlieren: Ihr altes Theater steht kurz vor dem Abriss und ist nur noch durch eine fernsehübertragene Spendengala zu retten.
»Die Muppets« ist der siebte Film mit den Figuren aus der Fernsehserie, der erste seit ihrem Verkauf an Disney, und er ist das Werk eines Fans, nicht eines Puppenspielers. Geschrieben wurde er von Jason Segel und Nicholas Stoller, Star und Regisseur der zeitgeistigen Liebeskomödie »Nie wieder Sex mit der Ex«, inszeniert von James Bobin, dem fernseherfahrenen Erfinder der »Ali G Show«. Mit dem Ergebnis, dass der lang herbeigesehnte Muppet-Film zu mindestens einem Drittel mit Disney-Vertragsschauspielern aufgefüllt wurde, die eine Disney-typische Kleinstadtidylle singen, tanzen und spielen, und nur zu knapp zwei Dritteln die guten alten Muppets enthält. Die sind mittlerweile in alle Winde verstreut, haben Karriere gemacht wie Miss Piggy - nein, Hollywood ist es nicht geworden, aber eine führende Stelle bei der französischen Ausgabe der »Vogue« gibt auch Anlass zu Despotismus und zum Tragen von Chanel-Kostümen und todschicker Louboutin-Schühchen. Oder auch nicht, wie Kermit, der in einer Hollywood-Villa voller Muppet-Memorabilia einsam der Nostalgie frönt. Bis ein Überbösewicht namens Tex Richman (Chris Cooper, herrlich schmierig) Öl wittert, wo einst Muppet-Geschichte geschrieben wurde - dass die Muppets und ihre Fans ihm dieses Öl nicht gönnen mögen, führte in den USA zu Anwürfen, die Handpuppen und ihre Macher seien am Ende nichts als wohlstandsfeindliche linke Subversive.
»Total eindimensional«, befinden Statler und Waldorf, die alten Grantler in ihrer Loge, am Ende - aber das gilt wirklich nur für die Aufnahmetechnik, die auf die auch schon wieder etwas angestaubte 3D-Optik weise verzichtet. Der »Toy Story«-Kurzfilm aus den ebenfalls vor Jahren dem Disney-Imperium einverleibten Pixar Studios, der dem Hauptfilm vorangeht, ist sogar ausgesprochen sehenswert. Zumindest für Erwachsene.
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