»Ein Durchzucken manchmal, kurz nur: Die Balance dieses Planeten im Universum ist bloß eine vermeintliche Gewissheit. Wer spielt mit uns? Welche Erschütterung wird uns treffen, womöglich fortschleudern?« Fragte Marcel Proust in einem Brief. »Was für Fliegen böse Buben, das sind den Göttern wir: Sie töten uns aus Spaß.« Gloster in Shakespeares »König Lear«.
Es gibt eine Ahnung der existenziellen Unbeholfenheit, die uns in gewissen Abständen ins Bewusstsein stürzt: Wessen Spielball sind wir? Dämonenplage erreicht jeden Kopf. So entsteht Literatur nicht schlechthin aus Fantasie, sondern auch aus Angst vor ihr: Was sie sich alles auszumalen vermag. Der Albtraum sucht uns nicht bloß heim, wir suchen ihn geradezu: Jedes Kind wird angezogen von der Grausamkeit der Märchen.
Die Erde: hilfloses Partikel im Universum der jederzeit möglichen kosmischen Willkürakte? Der Mensch spielt gern Schicksal. Aber schon beim achtlosen Tritt auf eine Ameise darf ihn die bange Ahnung streifen, dass so auch mit ihm selber verfahren werden könnte - wir also nicht höher stehen als die scheinbar nichtigste Existenz der unteilbaren Natur. Das Spielfeld ist groß, die Erde klein, das weite Himmelsgebiet ein Verschweiger: Es offenbart keinem, was sich über ihm zusammenbraut. Es kann uns in der nächsten Sekunde etwas aus dem Rennen schlagen, übers Netz der höheren Zusammenhänge, ins Aus.
Wahrscheinlich denkt der Kroate Ivo Karlovic überhaupt nicht an so etwas: Das Foto zeigt einen seiner Ballschläge, die ihn in die nächste Runde der derzeitigen Australian Open beförderten ...
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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