Herr Rösler hat nach dem Ende des XXL-Aufschwungs eine kleine, winterliche »Wachstumsdelle« ausgemacht. Alles halb so schlimm, sagt der Wirtschaftsminister, danach wird es schon wieder aufwärts gehen. Die deutsche Wirtschaft sei robust, und schon im nächsten Jahr werde der Konjunkturmotor sogar vernehmbar brummen.
Herr Rösler wähnt sich auf einer Insel der Glückseligen, während um ihn herum im Euroland in diesem Jahr triste Rezession herrscht, wie es jetzt auch die Weltbank erwartet. Dies belastet die globale Wirtschaft insgesamt. Die massiven Kürzungsprogramme, die gerade die Bundesregierung den EU-Partnern angetragen hat, zeigen dermaßen fatale Wirkung, dass selbst die Chefin des Ministers Maßnahmen für Wachstum und Beschäftigung auf EU-Ebene nicht länger blockieren kann.
Herr Rösler will das Gegenteil. Von den Beschäftigten in Deutschland fordert er, gerade jetzt wieder Lohnverzicht zu üben. Dann geht es den Unternehmen gut und auch allen anderen. Dass der deutsche Exportboom, gebaut auf eine Niedriglohnstrategie, für untragbare Ungleichgewichte in Euroland gesorgt hat, die die Krise massiv befördert haben, davon will der Minister nichts wissen.
Herr Rösler hat trotzdem unser vollstes Mitgefühl verdient. Als Chef der Absturzpartei FDP bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich die Welt in öder Gleichförmigkeit immer und immer wieder schönzureden.
Wissen sie noch, was sie tun? Der Aktionismus der EU und der europäischen Regierungen gegen die Finanz- und Eurokrise unter Führung von Deutschland und Frankreich strahlt hektische Betriebsamkeit aus. Resultat sind Sparanstrengungen, die zu Sozialabbau führen und die die Lage in den EU-Staaten verschlimmern werden. Indessen wollen in Deutschland soziale Bewegungen und linke Gruppen eine »Choreografie der Proteste« gegen die europäische Krisenpolitik festlegen. Siehe auch: Dossier Griechenland.
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sprach vor sehr langer Zeit vom Ende des Wachstums.
Das scheint ja dem Wirtschaftsminister nicht zu kümmern.
Deutschland ist eben anders.
Vieleicht sollte der Hoffnungsträger Rösler endlich einmal "Wachesen".
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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