Szenebeobachter kommen derzeit zu dem überraschenden Schluss: Es gebe »keine ernst zu nehmende Nazimobilisierung« für den 18. Februar. Das Dresdner Antifa-Rechercheteam im Blog »venceremos« stellte fest, der einzige seriöse Aufruf sei aus dem Netz genommen worden; zudem würden andere Veranstaltungen an dem Tag beworben. Anmeldungen würden nur aufrecht erhalten, um Proteste »ins Leere laufen zu lassen«. Lakonischer Kommentar: »Ein Nazi-Großaufmarsch weniger!«
Gänzlich abgesagt sind die Aktionen am 18. Februar noch nicht, sagen andere Beobachter. Die Nazis »lassen sich das Datum offen«, sagt Danilo Starosta vom »Kulturbüro Sachsen« - und zwar abhängig davon, wie eine Demonstration abläuft, die für den 13. Februar geplant ist. Diese steht für die Szene nach übereinstimmenden Einschätzungen im Fokus. Auch die NPD soll nach anfänglicher Zurückhaltung den Aufmarsch jetzt unterstützen.
Das Bündnis »Dresden nazifrei!«, das 2010 und 2011 zu Massenblockaden aufgerufen hatte und für den 18. Februar erneut bundesweit mobilisiert, will sich in den nächsten Tagen über eine mögliche Reaktion verständigen, sagte Sprecher Stefan Thiele. Das Bündnis teilt die Einschätzung, wonach für den 18. Februar mit deutlich weniger Nazis zu rechnen ist. Nach jetzigem Stand würden aber weiterhin Massenblockaden vorbereitet. »Wir wollen jeden Aufmarsch verhindern«, heißt es auf nd-Anfrage, »egal ob 6000 oder 600 Nazis versuchen, durch Dresden zu marschieren.« Ebenfalls unklar ist, ob es am 13. Februar zu größeren Protesten gegen den Naziaufmarsch kommt. Für diesen Tag hat die Stadt wie in den vergangenen Jahren zu einer Menschenkette aufgerufen. Eine Demonstration, die erstmals von einer »Arbeitsgruppe 13. Februar« vorbereitet wird und in Hör- und Sichtweite zu den Nazis geplant ist, soll erst am 18. stattfinden.
Beim »Nazifrei«-Bündnis sieht man die Hauptverantwortung für Proteste an diesem Tag bei den Dresdnern. Eigenes Ziel sei gewesen, den europaweit größten Aufmarsch mit bis zu 7000 Teilnehmern »zu knacken«, sagt Thiele. Dem sei das überregionale Bündnis dank erheblicher Anstrengungen offenbar nahe. Wirksame Aktionen am 13. Februar müssten indes in Dresden organisiert werden: »Das kann man hier allein.«
Dagegen warnt Starosta vor einer »Fehleinschätzung«: Auch die Naziaktionen am 13. Februar seien »ein bundesweites Thema«. Er beobachtet ein »taktisches Dilemma« bei der Mobilisierung zu Protesten, hält es aber für richtig, am 18. Februar festzuhalten, um einen »Schlusspunkt« unter die Nazi-Großaufmärsche zu setzen.
Das Bündnis »Nazifrei! - Dresden stellt sich quer« will am 18. Februar wieder den Naziaufmarsch blockieren. Aller Repression der vergangenen Jahre zum Trotz. Bereits der 13. Februar war in Dresden bei aller Kälte geprägt von Protest und Blockaden. Mehr
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