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20.01.2012
Meine Sicht

Radius

Klaus Joachim Herrmann über die Geometrie und ein Denkmal

Marx und Engels machen auch heute noch Eindruck. Offenbar erschrocken über den Spott und die Empörung über Ramsauers Absicht zur Versetzung der Philosophen, versuchen Berliner CDU-Politiker nun Besänftigung. Sie verweigern dem CSU-Stadtbildner kaum verschleiert die Gefolgschaft und retten sich in Geometrie. Es solle »zumindest der Radius des Denkmals in Bezug auf das Gesamtareal verkleinert« werden.

Der Rest ist schönste Eierei zur Deckung des Rückzuges. »Keine Denkverbote« heißt: Jeder Unsinn ist erlaubt. »Historisch betrachtet« gehörten Marx und Engels in die Nähe von Liebknecht und Luxemburg soll Friedrichsfelde heißen? Ein Ehrenplatz in der Mitte der Stadt komme ihnen nicht zu, meint schlicht: Weg damit!

Geht aber nicht. Doch auch der Radius wirft Fragen auf: Nur kleiner? Alle Bestandteile rücken zusammen? Werden sie dabei in ihren Proportionen erhalten und damit ebenfalls kleiner? Wenn ja, wie klein? Unsichtbar? Aber das Denkmal bleibt am Ort, der ist in der Mitte der Stadt. Das lässt sich nicht mal mit dem Radius ändern, selbst wenn er in die Politik drängt. In dieser Denkmalsfalle ist in letzter Konsequenz die Quadratur des Kreises gefordert.

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