Jene, die noch da sind, gucken auf die, die schon ans Licht kommen; unser gegenwärtiger Nichtwinter macht es möglich. Die Winterlinge haben wie immer das Wettrennen um die ersten Blüten dicht über dem Boden gewonnen. Dieses Mal extrem früh, schon in der ersten Januarhälfte ließen sie die ersten Blütenknospen leuchten. Und wo sie einem duftenden Hamamelisstrauch zu Füßen liegen, leuchtet es in zwei Etagen strahlend gelb: ein Paradies für Frühaufsteher unter den Insekten. Selbigen schadet es auch nicht, dass alles an diesem Familienmitglied der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) giftig ist.
In der gleichen Etage spazieren auch schon andere Hahnenfüße durchs Gelände und beginnen einen grünen Teppich zu weben: Ranunculus ficaria, das Scharbockskraut. Den Namen verdankt es übrigens seinem hohen Vitamin-C-Gehalt; Scharbock ist eine Ableitung von Skorbut. Seefahrer hatten das getrocknete Kraut einst mit an Bord, um sich mit seiner Hilfe vor dieser Krankheit zu schützen. Es hat glänzende sattgrüne Blätter. Im Gegensatz zu den Winterlingen sind sie vor der Blüte nicht giftig. Erst wenn die Pflanzen ihre gelben Sterne öffnen, kommen die Vitamin-C-Spender nicht mehr in den Salat, denn jetzt wird in dem Kraut das Gift Protoanemonin gebildet.
Für manchen Gartenbesitzer sind diese ausbreitungsfreudigen Teppichknüpfer ein Dorn im Auge. Aber warum eigentlich? Sie sind nicht nur schön, sondern auch nützlich und dazu sehr bescheiden. Sie machen keiner anderen Pflanze den Platz streitig, sprießen nur zu einer Zeit, in der sie niemanden stören, sie bedecken den sonst vielleicht kahlen Boden mit einer schützenden Decke und geben aus ihren Brutknöllchen noch Vitalstoffe an den Boden ab. Auch dem Lieblingskind manches Hobbygärtners, dem Superrasen, krümmen sie kein Hälmchen. Schließlich ziehen sie sich nach der Blüte einfach zurück in den Boden und warten dort monatelang auf ihren nächsten Auftritt.
Wer sich nicht mit der Farbe gelb bei den Hahnenfüßen begnügen und auch zu anderen Jahreszeiten selbige im Garten haben möchte, hat die Qual der Wahl unter den Gartenranunkeln (R. asiaticus). Die Züchter haben verschiedene Arten Hybriden in vielen Farben und mit großen Tellerblüten bis zu üppigen Blütenbällen sprießen lassen.
Diese Ranunkeln sind allerdings nicht winterhart. Im zeitigen Frühling kommen die harten knolligen Wurzeln, die vorher in Wasser eingeweicht wurden, an einem sonnigen Platz in den Boden und zeigen sich dort im Juni und Juli von ihrer schönsten Seite. Sie möchten dafür immer gut mit Wasser versorgt werden. Wenn man immer ein paar Stiele für die Vase schneidet, wird die Knospenbildung gefördert und damit die Blütezeit verlängert. Will man sich im nächsten Jahr wieder an üppigen Ranunkelblüten erfreuen, sollten die Knollen gut abgedeckt oder sicherheitshalber wie Dahlien ausgegraben und frostfrei überwintert werden.
Beim Rundgang durch den Garten kribbelt es bei dem offenen Wetter ziemlich in den Händen. Wenn es auch verlockend ist, Abgestorbenes von den Staudenbeeten zu räumen, sollten wir uns noch ein bisschen gedulden, weil ja doch einige kleine Lebewesen mit ihrem Winterschlaf sicher nicht fertig sind.
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Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
Preis: 120,00 €
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