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Den Zorn entwässern!

Das Foto zeigt Wartende vor dem Insein-Gefängnis in Rangun, Myanmar, Anfang dieser Woche: Sie warten auf Angehörige, die aus politischen Gründen eingesperrt worden waren.

Zweiteilung der Welten: hinten das leere graue Betonband ins Ungewisse, in die Folter, in die Willkür - vor dem Zaun die Hoffnung. Eine Menschenköpfe-Landschaft mit Grün durchsetzt. Hauptfarbe der Vegetation, die Leben assoziiert. Im Mittelalter war Grün Symbol für eine beginnende Liebe. Komm an meine grüne Seite ... dem und dem bin ich nicht grün ...

Leuchtende Blätter und Blumen stoßen gegen den Schrecken vor. Die Erwartung: in zahlreiche Sträuße gebunden. Wer darf durchs Tor kommen? Wer nicht?

Vielleicht wird der Kampfesmut gegen das Regime jung in jedem einzelnen Körper, der an diesem Ort des bangen Wartens einen anderen Körper berührt. hds


Paul Eluard, nachgedichtet von Stephan Hermlin

Im Namen der vollkommenen tiefen Stirn
Im Namen der Augen in die ich schaue
Und dieses Mundes den ich küsse
Für heute und für immerdar

Im Namen der begrabenen Hoffnung
Im Namen der Tränen im Dunkel
Im Namen der Klagen die lachen machen
Im Namen des Lachens das Furcht erregt

Im Namen des Gelächters auf der Straße
Der Sanftheit die unsere Hände eint
Im Namen der blumenbedeckten Früchte
Auf einer schönen und guten Erde

Im Namen der Männer in den Zuchthäusern
Im Namen der verschleppten Frauen
Im Namen aller unserer Genossen
Gefoltert sie und hingemordet

Weil sie den Schatten nicht hinnahmen
Wir müssen den Zorn entwässern
Und das Eisen wachsen machen
Zur Rettung des hohen Abbilds
Der überall verfolgten Unschuld
Die überall siegen wird

(Auszug aus dem Gedichtzyklus »Die sieben Liebesgedichte im Krieg«, 1942)

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