Als der Ingenieur Firas Kaddar, Leiter der Strombehörde von Douma, einem Vorort von Damaskus, auch Stunden nach Dienstschluss am Donnerstag nicht zu Hause war, machte seine Familie sich Sorgen. Schließlich fand man seine Leiche, zusammen mit der von Bassam Barakat, einem technischen Mitarbeiter. Beide Männer waren entführt und getötet worden, die Leichname waren entstellt. Erst am Mittwoch war eine Angestellte der selben Behörde in Homs gestorben, sie war auf dem Nachhauseweg in den Kopf geschossen worden. Mitarbeiter staatlicher Betriebe werden seit Monaten bedroht und aufgefordert, ihre Arbeit (für das Regime) einzustellen.
Alle Bereiche des Stromsektors seien von Angriffen betroffen, erläuterte Imad Khamis, Minister für Elektrizität, vor Journalisten. Er bezifferte die materiellen Schäden auf 713 Millionen SYP (Syrische Pfund, 9,6 Millionen Euro), der wirtschaftliche Schaden liege bei rund 23 Milliarden SYP. Bewaffnete Gruppen, in den Worten des Ministers »terroristische Banden«, kappten Stromleitungen, sprengten Strommasten, Transformatoren und Umspannwerke. Die Anschläge hätten zum zeitweiligen Zusammenbruch der Stromversorgung in Deraa, Hama, Homs, Idlib und im Osten des Landes geführt. Auch Reparaturteams würden angegriffen. In Hardeh (bei Homs) und Zahra, einem Stadtteil von Homs, könnten die Schäden aufgrund der Kämpfe nicht repariert werden. Vier Elektrizitätswerke seien derzeit außer Kraft. In ländlichen Gebieten sei die Stromversorgung teilweise bis zu 10 Stunden unterbrochen, in Damaskus müsse der Strom täglich zwei Stunden abgestellt werden. Wegen der Winterzeit und dem sanktionsbedingten Mangel an Heizöl sei der Bedarf besonders hoch.
Die Schäden könnten aber nicht nur materiell bemessen werden, der Bevölkerung werde eine schwere psychologische Last zugemutet, so der Minister. Strom spiele im Alltag, in Industrie und Wirtschaft eine zentrale Rolle, der Staat sehe sich in der Pflicht, jeden Haushalt damit zu versorgen. Das rund 150 000 Kilometer lange Stromnetz in Syrien produziert durchschnittlich bis zu 8500 MW Strom, derzeit können davon nur etwa 80 Prozent erreicht werden.
Der Ölsektor ist neben gezielten Angriffen und Sabotage durch bewaffnete Gruppen zusätzlich durch die Sanktionen der USA, der Europäischen Union und einiger arabischer Staaten betroffen, erläuterte der zuständige Minister für Öl und mineralische Ressourcen, Sufian Allaw, vor Journalisten am Donnerstag. Die durch Sanktionen entstandenen Schäden seit September 2011 bezifferte Allaw auf zwei Milliarden US-Dollar. Angriffe auf Öl- und Gaspipelines hätten bisher zusätzliche zwei Milliarden SYP (26,9 Millionen Euro) gekostet. 21 Mitarbeiter des Ölsektors wurden getötet, 24 verletzt. Fahrzeuge, Gebäude und jede Art von Infrastruktur werde angegriffen, führte Allaw aus.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
Spanien streikt für Bildung Massenproteste gegen die geplanten Kürzungen der konservativen Regierung
Athen: Linkes Bündnis formiert sich neu SYRIZA soll einheitliche Partei werden
Preis: 15,90 €
Preis: 15,90 €
Werbung:
Werbung: