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Foto: Martin Lejeune
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nd: Am Mittwoch veröffentlichten die Organisationen Oxfam und Save the Children einen Bericht, wonach die langsame Reaktion der Hilfsorganisationen auf die Hungersnot in Somalia viele Menschen das Leben gekostet habe. Hat das WFP nicht schnell genug reagiert?
Nicol: Das WFP war im November 2010 die erste Organisation, die in Somalia wegen einer drohenden Hungersnot Alarm geschlagen hat. Hintergrund für die Verschleppung der war, dass das WFP in Somalia unterfinanziert ist. Das Programm finanziert sich durch freiwillige Spenden und kann daher nur entsprechend dem eingehenden Spendenaufkommen Hilfe leisten. Dennoch hat das WFP im Juli vergangenen Jahres, eine Woche, nachdem die UNO offiziell von einer Hungersnot sprach, außerordentliche Hilfslieferungen auf dem Luftwege nach Mogadischu ermöglicht. Von dort wurden Lebensmittel in schwer zugängliche Gebiete transportiert.
Trotzdem sind laut Bericht viele Menschen verhungert.
Man muss verstehen, dass es nach der Bestätigung einer Spende noch einmal drei bis sechs Monate dauert, bis die entsprechenden Lebensmittelieferungen in den Händen der Bedürftigen in Somalia ankommen. So lange benötigt die Logistik. Seit die Spenden wieder fließen, sind die Lieferungen des WFP nach Somalia beträchtlich angestiegen und erreichen hier 1,3 Millionen Menschen.
In der vergangenen Woche zog sich das Internationale Rote Kreuz aus Somalia zurück. Damit ist das WFP nur noch eine von zwei Organisationen, die Lebensmittel in das Land bringen. Welche Probleme behindern Ihre Arbeit?
Im Süden Somalias wird unsere Arbeit durch lokale Autoritäten erschwert. Diese erheben inoffizielle Steuern, verlangen vom WFP, dass es keine Frauen beschäftigt, haben mehrere unserer Mitarbeiter mit dem Tode bedroht. Zwischen 2008 und 2010 wurden 14 Mitarbeiter des Programms in Somalia getötet. Die Lage war für uns so unerträglich, dass wir 2010 beschlossen haben, uns aus dem Süden zurückzuziehen und unsere Arbeit auf das autonome Gebiet Puntland in Nordsomalia zu beschränken.
Sie kommen gerade von einer Mission aus Gardo in Puntland zurück. Wie hilft das WFP der dortigen Bevölkerung?
Im Falle einer akuten Hungersnot wie jetzt versorgen wir alle Hilfsbedürftigen, die wir erreichen, kostenfrei und bedingungslos mit Nahrungsmitteln. Wir helfen zudem permanent 150 000 Flüchtlingen, die vor dem Krieg in Südsomalia in den Norden nach Puntland geflohen sind. Über die Nothilfe hinaus versorgen wir Schulkinder in Puntland mit Essen. Oft ist dies die einzige Mahlzeit der Kinder während des ganzen Tages. Wir haben auch ein neues Programm eingeführt, das Schwangere und Kinder bis fünf Jahre versorgt, die unter Ernährungsmängeln leiden. Für Erwachsene haben wir das Projekt »Essen für Arbeit« aufgelegt, in dem wir arbeitsfähige Männer mit Lebensmitteln versorgen, wenn sie gemeinnützige Arbeit verrichten.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Behörden in Puntland?
Die Regierung unterstützt unsere Arbeit, wo sie nur kann, weil sie weiß, dass wir in ihrem Land so vielen Menschen wie nur möglich helfen wollen.
Fragen: Martin Lejeune
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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