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Wahlkampfmanöver

Kommentar von Uwe Sattler

Man müsse einen Krieg auch beenden können. Das sagte Präsident Nicolas Sarkozy im Sommer vergangenen Jahres zum Kampfeinsatz französischer Truppen in Afghanistan. Glaubt man den Worten aus Paris, könnte die »Mission Hindukusch« für die Grande Nation nun deutlich früher als - wie geplant - 2014 zu Ende sein: Nach dem Tod weiterer französischer Soldaten erwägt die Regierung einen Abzug der Einheiten.

Für die große Mehrheit in Frankreich wird das gut klingen. 82 französische Soldaten kamen in dem NATO-Krieg bislang ums Leben - und mit der wachsenden Zahl der Opfer wandelte sich die Stimmung im Land. Der ursprünglichen Zustimmung zum »Antiterroreinsatz« folgte die Verdrängung und heute schließlich die klare Ablehnung einer französischen Kriegsbeteiligung.

Dass der Präsident dem Bevölkerungswunsch nach einem schnellen Rückzug nachkommt, ist allerdings zweifelhaft. War es in der Vergangenheit doch ebenfalls Sarkozy, der als »Lösung« für das Afghanistan-Dilemma immer mehr französische Soldaten entsandte und deren Einsatzgebiet ausweitete. Vor allem aber herrscht Wahlkampf in Frankreich, und versprochen wird da viel. Innenpolitisch hat Sarkozy kaum etwas zu bieten; die bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren allen Franzosen angekündigte Kaufkrafterhöhung ist angesichts der Krisen-Sparmaßnahmen ad absurdum geführt, das Renteneintrittsalter wird erhöht, die Programme für die sozialen Brennpunkte liegen auf Eis. So makaber es klingt: Der Tod der Franzosen, die Diskussion um Afghanistan und die Ablenkung von der Innenpolitik könnten Sarkozy gelegen kommen.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Präsidentschaftswahl in Frankreich

    Rund 44 Millionen wahlberechtigte Franzosen waren aufgerufen, ihren Staatspräsidenten zu wählen. Der sozialistische Herausforderer François Hollande ging als Favorit in die Stichwahl und konnte sich gegen den bisherigen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy durchsetzen. Erstmals seit 17 Jahren zieht damit wieder ein Sozialist in den Pariser Präsidentenpalast ein. Mehr

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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