Hannover (nd-Otto). Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat angekündigt, für Babyklappen und anonyme Geburten eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Die momentane gesetzliche Grauzone wolle sie auflösen, sagte sie gegenüber der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«. Sie beabsichtige, einen Rahmen für eine »vertrauliche Geburt« zu schaffen, der für eine gewisse Zeit die Anonymität der Mutter wahre. Für eine Frist, die laut Schröder etwa zehn Jahre betragen könne, sollen die Daten geheim bleiben. Dann sollen die Kinder die Möglichkeit bekommen, ihre eigene Herkunft und Identität festzustellen.
Die Familienministerin reagiert mit ihrem Vorschlag auf die anhaltende Diskussion über den Sinn von Babyklappen. Der Deutsche Ethikrat hatte 2009 bereits empfohlen, die Angebote zur anonymen Kindsabgabe zu schließen. Das Deutsche Jugendinstitut kommt in einer noch nicht veröffentlichten Studie zu dem Urteil, dass die Ursprungsidee der Angebote zur anonymen Kindsabgabe - die Rettung von Neugeborenen -, nicht mehr das vorrangige Motiv sei. Zielgruppen wie Prostituierte, Drogenabhängige, sehr junge Mädchen und Frauen, die ihre Neugeborenen töten oder aussetzen, würden nicht mehr erreicht.
Das Dresdner Projekt Findelbaby kritisiert die Forderung der Ethikexperten, die Babyklappen abzuschaffen. Diese sollten ein letzter Ausweg für Mütter sein, die in einer »extremen Notsituation« ihr Neugeborenes ablegen könnten, sagte Projektmitarbeiterin Uta Jarsumbeck dem epd. Sie verteidigte auch die anonymen Geburten, die bei dem Projekt »Findelbaby« persönlich betreut würden. Allerdings müssten sich Babyklappen »von allein erübrigen«, meint Jarsumbeck. Notwendig sei hierfür jedoch ein Netz früher und niederschwelliger Hilfe, das stärker ausgebaut werden müsse.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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