Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist ein Mann mit klaren Vorstellungen davon, wie die Welt zu sein hat. Für Gespenster ist darin kein Platz, für kommunistische erst recht nicht. Doch nun hatte Peter Ramsauer überraschend in der deutschen Hauptstadt welche entdeckt. Bei einem wohlgefälligen Blick auf das künftige Humboldt-Forum in Berlin, wo das Schloss der Hohenzollern wieder auferstehen soll, entdeckte er ein Forum ganz anderer Art, das Marx-Engels-Forum. Für Gespenster dieser Art, und seien sie nur aus Bronze, ist seiner Vorstellung nach kein Platz im offiziellen Berlin, allenfalls auf einer »sozialistischen Resterampe« kann er sich solche Geister vorstellen.
Leute vom Schlag Ramsauers scheuen sich nicht, Gedanken laut auszusprechen, wenn sie ihnen kommen. Und so erfuhr auch die Linksfraktion im Bundestag davon, die im Reichstag eine eigene sozialistische Resterampe unterhält. Nicht lange, und die von Ramsauer geweckten Geister erhoben ihr Haupt zu einer Anfrage an die Bundesregierung. Ob diese das Marx-Engels-Denkmalensemble zur kulturellen Substanz der DDR nach Artikel 35 des Einigungsvertrages zähle. Und ob es weitere Pläne zu Denkmalsumsetzungen gäbe, eventuell auch auf dem Boden der ehemaligen Bundesrepublik. Welche Pläne die Bundesregierung mit dem Geburtshaus von Karl Marx in Trier und dem darin befindlichen Museum habe, will sie wissen. Und welche weiteren Friedhöfe sich, außer der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde, nach Ansicht der Bundesregierung als sozialistische »Resterampe« für abgehalfterte Gespenster eigne.
Die Linksgeister im Bundestag mit ihren doppelt geschlitzten Schlitzohren nahmen natürlich nicht ohne Hintergedanken Bezug auf den Einigungsvertrag, der in den Bekenntnissen der Bundesregierung immer einen großen Stellenwert eingenommen hat. Dort ist im Absatz 2 des Artikels 35 davon die Rede, dass die kulturelle Substanz in dem Gebiet, das der Vertrag beschreibt - und damit auch in dem der sogenannten DDR - keinen Schaden nehmen« dürfe. Jetzt erst ist damit klar geworden, weshalb auch die LINKE diesem Vertrag inzwischen etwas Gutes abgewinnen kann. Weil natürlich auch Exponate als Kulturgut gezählt werden müssen, denen Peter Ramsauer eine Existenzberechtigung auf einer sozialistischen Resterampen zubilligt. Den Geistern vom Marx-Engels-Forum ist damit eine fortwährende Existenzberechtigung zugesprochen.
Jan Korte ist einer der Autoren der Fragen an die Bundesregierung, ihm tut der arme Bundesverkehrsminister nun schon beinahe leid. Weil dieser sich offenbar noch immer im Kalten Krieg wähne. Die Furcht vor Marx und Engels sitzt tief, und kämen sie auch nur als Schlossgespenster.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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