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Von Klaus Bellin 23.01.2012 / Feuilleton

Weimars Fabrik für Romane

Christian Vulpius

Ach, wie rümpften sie die Nase. Christian August Vulpius (1762-1827) konnte ihnen das Wasser nicht reichen. Schrieb wie der Teufel Buch um Buch, Stück für Stück, Ritterromane, Geistergeschichten, romantische Erzählungen, Lustspiele, Libretti, Gedichte, wissenschaftliche Arbeiten. Ein Riesenwerk, weit über hundert Titel, das meiste verwegen und ziemlich trivial. Die Großen von Weimar sahen darüber hinweg. Sie dichteten, er betrieb ja nur eine florierende Romanfabrik. Schiller schrieb im Juli 1787 von einer »kleinen dürren Figur in Weißem Frack und grüngelber Weste, krumm und sehr gebückt«. Eine kurze Begegnung nur, aber sie hat ihn mächtig amüsiert.

Es war die elende Lage dieser »Figur«, die Christiane Vulpius veranlasste, Goethe im Sommer 1788 eine Bittschrift ihres Bruders zu überreichen. Und Goethe half. Der bis dahin glücklose Vulpius, ein immens fleißiger, gebildeter, von einem Nürnberger Baron miserabel bezahlter Bursche, half nun als Dramaturg am Weimarer Hoftheater, wurde unentbehrlicher Mitarbeiter in der Bibliothek, schließlich sogar Inspektor des Münzkabinetts und Ehrendoktor der Jenaer Universität. Seine Sternstunde erlebte er 1799. Da erschien das Buch, das ihn berühmt machte: »Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann«, der Bestseller jener Zeit, eine vielfach übersetzte, dramatisierte und nachgeahmte Geschichte mit viel Romantik und viel Aufruhr, die sich die Leute aus den Händen rissen und von der Schwager Goethe süßsauer meinte, sie habe »eine Zeitlang mehr Bewunderer in Deutschland gehabt, als Wilhelm Meister«.

Diesen Christian August Vulpius, der heute vor 250 Jahren geboren wurde, kann man jetzt näher kennenlernen: vom 25. Januar bis 19. Februar im Weimarer Kirms-Krackow-Haus (mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr) und in einem illustrierten Begleitband des Wehrhahn-Verlages, der unter dem Titel »Andere Klassik« erstmals mit einer umfangreichen lexikalischen Werkschau dient (172 Seiten, brosch., 14,80 €, in der Ausstellung 9,80 €).

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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