Der Bundespräsident hatte gestern einen schönen Termin - so schön Termine eben für ihn sein können, wenn die Medien nur das K-Wort Kredit und das U-Wort Urlaubskosten und das M-Wort Medienbeschimpfung hören wollen. Der Präsident wollte bei einer Matinee zum Thema »Typisch deutsch« seriöse Amtsführung demonstrieren.
Falls er sich überlegt hat,was typisch deutsch sein könnte, ist er vielleicht auf dieses Verhaltensmuster gestoßen: nehmen, was man kriegen kann. Darüber hat sich schon sein Landsmann Gerhard Schröder schwarz geärgert. Es gebe in Deutschland eine verbreitete Mitnahmementalität, regte sich Kanzler Schröder im Jahre 2004 auf, die bis weit in die Mittelschicht üblich sei, wo man eigentlich ausreichend verdiene. Jeder nehme mit, was er kriegen könne. Schröder meinte damit die vermeintlichen Sozialschmarotzer. Vielleicht hat damals Christian Wulff, Schröders Nachfolger als Ministerpräsident in Hannover, genau zugehört und gedacht: Gut, wenn nicht vom Staat, dann eben von Privat. Wozu hat man schließlich Freunde. Also hat er genommen und war höflich genug, die Spender nicht durch Ablehnung vor den Kopf zu stoßen. Womöglich ist das ja typisch deutsch: auch mal einstecken zu können.
Ein umstrittener Privatkredit, sein Umgang mit den Medien und nun der Verdacht auf Vorteilsannahme. Bundespräsident Christian Wulff hat am 17. Februar seinen Rücktritt erklärt, nachdem die Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Immunität Wullfs beantragt hat. Sie will wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung gegen das Staatsoberhaupt ermitteln.
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