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Freier Markt

Kommentar von Jörg Meyer

Rund 30 000 hiesige Beschäftigte der Drogeriekette Schlecker stehen vor einer unsicheren Zukunft. Die am Freitag angekündigte Planinsolvenz des Konzerns könnte sich auf die mit der Gewerkschaft ver.di vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Mitte 2012 auswirken. Auch könnte das Konstrukt einen Eingriff ins Betriebsverfassungsgesetz ermöglichen. Hätte, könnte, würde ... Sicher ist fürs Erste nur, dass Schlecker mit seinem Konzept der unbedingten Expansion gescheitert ist. Ständig neue Filialen zu eröffnen - auch solche, die nichts abwerfen - und das unter extremem Spardruck, oft auf dem Rücken der Beschäftigten, ist nicht aufgegangen. Die Einsicht, dass man mit Mitarbeiterbespitzelungen, Betriebsratsbe- und -verhinderungen und Niedriglöhnen zum Buhmann der Branche auch in den Augen der Kundinnen und Kunden wird, kam zu spät.

Mit der Planinsolvenz will sich das schwäbische Familienunternehmen selber sanieren. Die Gefahr einer kompletten Zerschlagung dürfte zunächst gebannt sein, auch besteht die Chance, dass viele Jobs gerettet werden können. Wer sich am Markt zu mies zu seinen Beschäftigten verhält, sinkt auf der Beliebtheitsskala. Die Kundinnen und Kunden machen einen großen Bogen um die Geschäfte und gehen oder fahren lieber die paar Kilometer weiter zur nächsten Filiale des Konkurrenzunternehmens. Klingt ja ganz gut. Die Macht des mündigen Kunden im Kapitalismus ist vorhanden, alles wird gut, gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Eine große Frage ist nun indes offen: Wie viele Unternehmen müssten nach der Logik schon längst vom Mark verschwunden sein?

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