Herbstmeister waren sie, Tabellenführer sind die Münchner auch nach dem 1:3 in Mönchengladbach noch. Doch die fünfte Saisonniederlage ist mehr als nur ein verpatzter Rückrundenstart - geradezu bezeichnend für die Situation beim FC Bayern.
Die Münchner wollten von Beginn an angreifen und die Verfolger unter Druck setzen. Stattdessen führen sie das Klassement nur noch dank der besseren Tordifferenz an - der Druck hat sich deutlich in Richtung Säbener Straße verlagert. Damit kommt der Rekordmeister gewöhnlich noch relativ gut zurecht.
Fehlt es aber am nötigen Selbstvertrauen, gelingt auch erfahrenen Nationalspielern im Münchner Trikot nicht viel. Nach der ersten Herbstmeisterschaft seit drei Spielzeiten, einer problemlosen Gruppenphase in der Champions League und der laut Bastian Schweinsteiger (Foto: AFP/Hussain) »perfekten Vorbereitung« im Trainingslager redeten sie ihr siegessicheres Selbstverständnis förmlich herbei: »Wenn wir so spielen wie in der Vorrunde, wird es schwer, uns zu stoppen. Wir wollen gewinnen und gleich eine Serie starten«, so Schweinsteiger. Kapitän Philipp Lahm sah die eigene Mannschaft gar in der Nähe des FC Barcelona.
Nun der Dämpfer gegen Gladbach. Wieder hat ein qualitativ schlechter besetztes Team die Bayern mit einfachen Mitteln düpiert: perfekte Raumaufteilung, laufintensive Abwehrarbeit, schnelles Umschalten von Defensive auf Angriff mit wenigen präzisen Pässen. Die Bayern wirkten wie ein behäbiger Tanker im Rennen gegen ein Schnellboot: ideenlos und ohne Plan.
»Bayern München wird immer eine qualitativ bessere Mannschaft haben«, unterstrich Schweinsteiger noch Anfang Januar den eigenen Vormachtanspruch. Dass es glücklicherweise nicht mehr reicht, wie noch vor ein paar Jahren, nur die besten Spieler zu kaufen und so die Liga zu beherrschen, zeigte schon die vergangene Saison.
Doch die Probleme sind nicht nur freche Gegner und Selbstüberschätzung nach Kantersiegen gegen harmlose Freiburger oder Nürnberger. Wenn die Champions League mit dem Finale in München höchste Priorität genießt, kann die Konzentration im Alltag schon mal fehlen.
Alexander Ludewig
Aktuelle Ausgabe: 21.05.2012
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