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Von Reiner Oschmann 24.01.2012 / Ausland

Wie voll ist Obamas Glas?

USA-Bürger zu Beginn des Wahljahres bei Bilanz des amtierenden Präsidenten gespalten

Während Newt Gingrich mit seinem Überraschungssieg bei der Vorwahl in South Carolina das Kandidatenfeld im republikanischen Vorwahlkampf aufgemischt hat, wird USA-Präsident Barack Obama heute mit seiner dritten Rede zur Lage der Nation versuchen, Umfragepunkte für seinen Wiedereinzug ins Weiße Haus zu machen.

In den USA kursiert ein politischer Witz, der Barack Obama schlecht aussehen lässt: Vor zehn Jahren, so der Volksmund, hatten wir Johnny Cash, Bob Hope und Steve Jobs. Heute haben wir kein Geld (cash) mehr, keine Hoffnung (hope) und keine Arbeitsplätze (jobs). Drei Jahre nach Amtsantritt und zehn Monate vor der nächsten Wahl sind Land und Präsident angeschlagen. Und während die Großmacht in der jüngsten Weltwirtschaftskrise weiteren Boden verliert, beginnt der erste schwarze Präsident der USA das Jahr, in dem er für weitere vier gewählt werden will, als ein Regierungschef, der mehr Wähler enttäuscht als überzeugt hat.

Am Vorabend von Obamas heutiger, seiner dritten Botschaft zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses ist die Wählerschaft über die Bilanz tief gespalten. Vor allem Wechselwähler äußern in aktuellen Umfragen ihre Enttäuschung über das Ergebnis der bisherigen Amtszeit, die wirtschaftliche Lage und den Gesamtkurs der USA. Wechselwähler sind jene, die sich nicht zu den jeweils rund 30 Prozent Stammwählern von Demokraten und Republikanern, sondern zu den etwa 40 Prozent »Unabhängigen« zählen; sie hatten entscheidenden Anteil an Obamas Wahlsieg im November 2008.

Laut einer Repräsentativumfrage der »Washington Post« und des Fernsehsenders ABC News sagen doppelt so viele Amerikaner, ihnen gehe es seit Obamas Amtsantritt finanziell schlechter, wie jene, die sich heute in besserer Lage wähnen. Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) finden, Obama habe als Präsident »nicht viel« bzw. »wenig oder nichts« erreicht. Dagegen schätzen 47 Prozent seine Bilanz positiv ein. Ähnlich verhält es sich in der Umfrage mit den persönlichen Zufriedenheitswerten für den Mann im Weißen Haus: je 48 Prozent Zustimmung und Ablehnung. Die »Washington Post« kommentierte dazu: »Eine Zustimmungsquote von unter 50 Prozent ist alles andere als eine gute Ausgangsposition im Wahljahr, doch für einen Präsidenten, dessen Sympathiewerte im letzten Herbst bei nur noch 42 Prozent lagen, bedeutet die jetzige Stimmungslage eine klare Verbesserung.« Fast deckungsgleich sind die Resultate der neuesten Umfrage von »New York Times« und CBS News. Auch hier liefert vor allem die Haltung der Wechselwähler Obama Grund zur Sorge: Nicht einmal mehr jeder Dritte von ihnen hat eine positive Meinung über den Präsidenten; die anderen zwei Drittel dieser Gruppe, die vor gut drei Jahren Obamas Wahlsieg perfekt machten, finden, er habe »bei der Gesundung der Wirtschaft keinen wirklichen Fortschritt erzielt«.

Im Wissen um den Gegenwind begann der Präsident vorigen Donnerstag in einigen mutmaßlich umkämpften Bundesstaaten mit erster Fernsehwerbung. Sie zielt gerade auf jene Unabhängigen, die mit der Bilanz des Präsidenten besonders unzufrieden sind. Da die Wähler jedoch nicht nur auf Distanz zu Obama gehen, sondern vielfach ebenso große Bedenken gegenüber den in den letzten Jahren noch weiter nach rechts gerückten Republikanern hegen, enthalten die Umfragen und die verbissene, von gegenseitigen Verletzungen begleitete Suche nach einem republikanischen Herausforderer für den angeschlagenen Präsidenten auch Momente der Hoffnung. Die nächsten Monate, in denen Obama in die Offensive gehen muss - bisher ist er im Bemühen um überparteiliche Kompromisse wiederholt vor den Republikanern eingenickt -, werden zeigen, ob sein Glas halb leer oder halb voll ist.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Präsidentenwahlen in den USA

    Am 3. Januar 2012 beginnen die US-Republikaner die Vorwahlen. In einem fünfmonatigen Wahlmarathon suchen sie einen Präsidentschaftskandidaten und Herausforderer von Präsident Barack Obama. Die Präsidentschaftswahlen finden am 6. November 2012 statt. Mehr

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • OBJZ, 25. Jan 2012 04:57

    Obama Bericht fuer Congress: Siemens-USA gut, "Germany" nix gut wie China wegen Export.

    In der alljaehrigen Ansprache vo dem U.S. Congress wurde Siemens in USA zweimal gelobt. "Germany" wurde mit China als "Exportkonrruent" genannt. Wer ist "Jackie Bray": Eine vorher Arbeitslose welche ausgebildet wurde und heute fuer Siemens in USA als Technikerin arbeitet. Wer ist "Debie Bosanek": Die Sekretaerin von Warren Buffet der $ 40+ Millarden Investor. Buffet hatte gesagt: "Ich bezahle weniger Prozent Steuern als meine Sekretaerin!"

    • Permalink

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