Ungarische Arbeiter, die monatelang auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld geschuftet haben, sind um den größten Teil ihres Lohns geprellt worden. Das meldete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gestern. Die Glamini Ausbau GmbH mit Sitz in Bayern, die als Subunternehmer in Schönefeld tätig sei, habe nur »leere Versprechungen« gemacht, das Geld bald auszuzahlen.
Ohne einen Cent in der Tasche hätten die Arbeiter nicht einmal zu Weihnachten nach Hause fahren können, wenn der DGB und die ungarische Botschaft nicht durchgesetzt hätten, dass es wenigstens eine Abschlagszahlung von 300 Euro gibt, heißt es. Die GmbH weigere sich nach wie vor, den Leuten den ausstehenden Lohn in Höhe von mehreren tausend Euro zu zahlen. Stattdessen habe die Firma den ungarischen Arbeitern fristlos gekündigt.
»Es ist eine Sauerei, wie hier ausgerechnet auf der Flughafenbaustelle mit den Beschäftigten umgegangen wurde«, schimpft Hermann von Schuckmann von der IG Metall. Ein großer Teil der betroffenen Ungarn ist inzwischen in diese Gewerkschaft eingetreten. Dadurch können sie Rechtsschutz in Anspruch nehmen, gegen die Kündigung gerichtlich vorgehen und ihren Lohn einklagen. Dass die IG Metall ausländischen Arbeitern helfe, selbst wenn sie nur kurze Zeit in Brandenburg arbeiten, liege auch im Interesse der hiesigen Kollegen, erläutert von Schuckmann. »Wenn Lohnbetrug gegenüber scheinbar wehrlosen Wanderarbeitern nicht geahndet wird, wird daraus ganz schnell ein ›Geschäftsmodell‹«, sagt er.
»Leider sind solche Fälle in unserer Region kein Einzelfall«, bedauerte die DGB-Landesbezirksvorsitzende Doro Zinke. Immer wieder gebe es Probleme mit überhaupt nicht oder nur teilweise gezahltem Lohn. Leider wissen viele nicht, wie sie sich wehren sollen und fahren ohne ihr Geld zurück in die Heimat, heißt es. Dem DGB zufolge haben die geprellten Ungarn berichtet, dass auf der Flughafenbaustelle noch viel mehr Männer aus Mittel- und Osteuropa arbeiten, die ähnliche Erfahrungen machen mussten, aber nicht wagten, dagegen vorzugehen. »Wir werden von der Flughafengesellschaft und den Landesregierungen Berlins und Brandenburgs Aufklärung verlangen«, kündigte Doro Zinke an.
Es sei ein »Skandal« und »überhaupt nicht hinnehmbar«, dass ein derartiger Lohnbetrug auf der Flughafenbaustelle stattfinde, sagt der Landtagsabgeordnete Andreas Bernig (LINKE). »Hier muss scharf nachkontrolliert werden«, verlangt er. Die Flughafengesellschaft müsse sich darum kümmern, dass die Ungarn ihr Geld erhalten und dass »solche Schweinereien nicht passieren«. Der Vorfall zeige, dass man auch in Brandenburg eine Beratungsstelle für ausländische Arbeitnehmer brauche. Die Ungarn seien nach Berlin gegangen, wo es eine solche Stelle gebe.
Die Glamini Ausbau GmbH, als deren Adresse der Königsplatz in Bad Reichenhall angegeben wird, kann nach eigenen Angaben Wasserleitungen legen, Metallkonstruktionen errichten, Heizungen installieren und Klimaanlagen einbauen, außerdem Elektronik montieren und Dächer decken. Davon abgesehen hinterließ die GmbH im Internet aber nur dürre Informationen, darunter den Hinweis, der Prokurist Sowieso »hat am 23.12.2011 zurückgetreten, und hat sein Arbeitsvertrag auch gekündigt«. Eine Telefonnummer ist nicht vermerkt. Eine Anfrage per E-Mail blieb unbeantwortet.
Aktuelle Ausgabe: 21.05.2012
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