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Von Mark Wolter 24.01.2012 / Sport

Wenn Staatschefs Trainer spielen

Beim Afrika-Cup kämpfen Favoriten und Außenseiter mit hohen Erwartungen von Politik und Fans

Wenn bei einer Fußball-Europameisterschaft Politiker in Erscheinung treten, dann klatschen sie meist fröhlich auf der Tribüne in die Hände. Sie geben lobende Worte und optimistische Prognosen von sich oder posieren als Fan in der Umkleidekabine für ein Foto. In Afrika ist das anders, dort ist Fußball auch Staatsangelegenheit. Und so überraschte es nicht, dass der Sportminister der Elfenbeinküste seine Spieler mit einem klaren Auftrag für die Reise zum Afrika-Cup in Äquatorialguinea und Gabun verabschiedete: »Der Titel ist nicht verhandelbar. Er ist eine Forderung«, so Philippe Legre.

Das Team der Elfenbeinküste, das - liest man die klangvollen Namen auf der Kaderliste - zurecht als einer der Favoriten für die 28. Kontinentalmeisterschaft gehandelt wird, weiß um die Bedeutung, den zweiten Cup nach 1992 zu gewinnen. »Die Menschen warten schon so lange. Wir werden alles versuchen, diese Mission zu erfüllen«, sagte der französische Trainer Francois Zahoui.

Dass sich das Starensemble mit den Brüdern Yaya und Kolo Touré von Englands Tabellenführer Manchester City, Stürmerstar Didier Drogba und Salomon Kalou (Chelsea London) sowie Gervinho (Arsenal London) zum Auftakt gegen Außenseiter Sudan beim 1:0-Sieg lange schwer tat, soll das Selbstbewusstsein nicht erschüttern. »Die Vorbereitung steckte uns noch in den Beinen«, sagte Kapitän und Torschütze Drogba. »Das Wichtigste im ersten Spiel sind nur die drei Punkte.«

Da in der Qualifikation mit Titelverteidiger Ägypten, Kamerun, Nigeria, Südafrika und Algerien gleich fünf traditionelle Mitfavoriten gestolpert sind, rechnen sich aber auch die Underdogs Chancen aus. Besonders Äquatorialguinea und Gabun wollen als erstmalige Gastgeber glänzen. Das vom gabunischen Staatspräsidenten Ali-Ben Bongo Ondimba, im Nebenberuf gerne auch Co-Trainer der Fußballauswahl, ausgegebene Ziel Halbfinale, macht die Aufgabe für den deutschen Trainer Gernot Rohr allerdings nicht einfacher. »Ich bin ja für Bescheidenheit, aber hier wollen eben alle gewinnen«, beschrieb der 58-jährige Mannheimer die Mentalität in Gabun, wo er seit knapp zwei Jahren das Nationalteam betreut. »Wenn wir nicht eine Runde weiterkommen, dann holen sie Gewehre und schießen auf uns.«

Auch bei den Nachbarn in Äquatorialguinea ist die Erwartungshaltung riesig. Beim Eröffnungsspiel im Stadion von Bata am Sonnabend war der Andrang so groß, dass die Veranstalter sicherheitshalber alle Eingänge ohne die üblichen Kontrollen öffneten, um noch Schlimmeres zu verhindern als die folgenlosen Tumulte. Der späte 1:0-Sieg der Gastgeber jedenfalls schürte noch mehr Hoffnungen und war ganz nach dem Geschmack des diktatorischen Familienregimes von Teodoro Obiang, das eine Million Dollar Siegprämie für die Ablenkung von den Staatsproblemen an die Mannschaft zahlte. »Wir haben richtig gut gespielt, auch wenn wir vorher kaum zusammen trainiert haben«, freute sich Trainer Gilson Paulao. Der Brasilianer übernahm erst vor drei Wochen vom Franzosen Henri Michel, der zurückgetreten war - wegen Streitigkeiten mit Verband und Regierung über die Kadernominierung.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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