Damaskus (AFP/dpa/nd). Der Plan der Liga, der einen teilweisen Machtverzicht von Staatschef Baschar al-Assad vorsieht, sei eine »schamlose Einmischung in innere Angelegenheiten«, zitierte das Staatsfernsehen am Montag einen Vertreter der syrischen Führung.
Die am Sonntagabend in Kairo von den Außenministern der Liga vereinbarten Vorschläge seien ein »Angriff auf die nationale Souveränität« Syriens, sagte der Regierungsvertreter weiter. Syrien lehne den Plan ab. Die Staatsmedien kommentierten, Katar wolle die Region ins Chaos treiben.
Die Arabische Liga hatte in Kairo erklärt, Assad müsse Befugnisse an seinen Stellvertreter abgeben und so die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit ermöglichen. Dazu müssten Regierung und Opposition spätestens in zwei Wochen zu einem »ernsthaften Dialog« unter Aufsicht der Liga zusammenkommen. Die neue Initiative ziele darauf ab, einen »friedlichen Abgang des syrischen Regimes« zu erreichen, sagte der Außenminister und Regierungschef von Katar, Scheich Hamad ben Dschabr al-Thani.
Kritik an den Vorschlägen kam auch von der Opposition in Syrien. Ihr allerdings gehen sie nicht weit genug. Die Initiative gebe der Regierung lediglich eine »weitere Frist, um die Unterdrückung fortzusetzen und die Revolte des Volkes niederzuschlagen«, erklärten die örtlichen Koordinierungskomitees, die den Widerstand gegen Assad organisieren. Sie forderten die Arabische Liga auf, »ihr Scheitern anzuerkennen und die UNO um Hilfe zu bitten«.
Die Beobachtermission der Liga war am Sonntag verlängert und personell aufgestockt worden. Wegen der anhaltenden Gewalt kündigte Saudi-Arabien aber an, seine Beobachter abzuziehen.
Die russische Zeitung »Kommersant« berichtete über einen Deal zwischen Russland und Syrien in Höhe von umgerechnet 423 Millionen Euro. Dem im Dezember geschlossenen Vertrag zufolge kauft Damaskus von Moskau 36 Militärflugzeuge vom Typ Yak-130.
Unterdessen hat die Europäische Union die Forderung der Arabischen Liga nach einem Machtwechsel in Syrien unterstützt. Die EU begrüße den Vorschlag der Liga vom Wochenende für »eine politische Lösung«, heißt es in einer Erklärung der EU-Außenminister vom Montag in Brüssel. Die Außenminister verschärften die Sanktionen gegen Syrien. Sie beschlossen Einreiseverbote für weitere 22 Führungspersonen des Regimes - insgesamt sind es jetzt 108. Die Zahl der Unternehmen, denen Geschäfte in der EU verboten sind, wurde um 8 auf 38 erhöht. Ein Verbot der Öleinfuhren aus Syrien war bereits im Herbst beschlossen worden.
In Syrien haben 89,4 Prozent der Wähler für eine neue Verfassung gestimmt. Allerdings machte bei dem Verfassungsreferendum am Sonntag nur etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Die zentrale Neuerung im Verfassungstext ist das Ende der Monopolstellung der Baath-Partei. Mehr
Es wird wohl schwer sein, verlässliche Informationen aus Syrien zu bekommen. Umso wünschenswerter wenn aufbereitet und/oder durch Link dargestellt werden könnte, was es damit auf sich hat, wenn es heißt: „Die Zahl der Unternehmen, denen Geschäfte in der EU verboten sind, wurde um 8 auf 38 erhöht.“
Was für Geschäfte wären das, warum genau diese Firmen und welche Auswirkungen sind damit verbunden – es gälte auch Spekulationen entgegenzuwirken.
Im Kasseler Friedensforum ist der Artikel von Christine Buchholz zu finden,
„Syrien: Solidarität mit der Revolution – Nein zu westlicher Intervention“,
www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/buchholz.html
alles gut und schön, aber auch keine näheren Infos zu den tatsächlichen Auswirkungen der Sanktionen. Gleiches gilt für die gute Rede des Linken Abgeordneten Wolfgang Gehrcke am vergangenen Freitag:
www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/17153.pdf
Festzuhalten also, den Machthabern in Damaskus scheint es auch nicht im Traum einzufallen, von sich aus Möglichkeiten für Transparenz und Einsicht durch internationale Beobachter zu ermöglichen und diese anzubieten, damit die Meinung der Weltöffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen.
Dabei könnten sie sich diese Beobachter doch selbst aussuchen und es der internationalen Öffentlichkeit überlassen, ob ihre Wahl eine hohe Akzeptanz fände, was doch an den dann Gewählten, deren Bewegungsfreiheit und Anzahl liegen würde.
Wen verwundert nichts von solch einer Gegenoffensive zu sehen und vielleicht wird es schließlich doch nur zum Weg der Friedhofsruhe mit Waffengewalt kommen.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Liga plant Treffen zu Beobachtern Sarkozy fordert Rücktritt des syrischen Präsidenten
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