Es sei Zeit, das Spiel zu beenden, »das uns die Presse deutschlandweit seit Monaten aufzwingt«. Der jenen Satz an die Bundestagskollegen seiner Partei schrieb, verband dies mit der Aufforderung zu einem Medienboykott. Seine Partei hat ein unglaubliches Hoch zur letzten Bundestagswahl erlebt und seither einen unglaublichen Absturz in der Wählergunst hinnehmen müssen. Die Presse hat die Vorsitzenden der Partei nicht pfleglich behandelt, zuweilen konnte man gar auf die Idee kommen, hier würden öffentliche Degradierungen vorgenommen.
Es handelt sich bei dem Anstifter zum Medienungehorsam um den Liberalen Joachim Günther. Nicht jeder kennt den Mann, aber vielen mag seine Reaktion bekannt vorkommen. Immerhin kann man regelmäßig ähnliche Klagen auch aus anderen Parteien, namentlich der LINKEN hören. Hämische und ganz und gar nicht beifällig zelebrierte La-Ola-Wellen der Medien wecken immer wieder einen Impuls, dem angeblich schon in der Antike gern nachgegeben wurde: Köpft den Boten! Das Überbringen schlechter Nachrichten endet heute meist unblutig, aber kopflose Reaktionen sind zuhauf zu beobachten. Nun zeigt das Beispiel des FDP-Abgeordneten Günther wenigstens, dass andere auch Nerven zeigen. Und dass nicht Antikommunismus in jedem Fall Triebfeder von Medienschelte sein muss. Manchmal sind Parteien auch selbst schuld.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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