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Von Gesa von Leesen, Stuttgart 26.01.2012 / Wirtschaft

Metaller fordern 6,5 Prozent mehr

Gewerkschaft will im Südwesten auch die unbefristete Übernahme

Nach zwei Boomjahren in der Metallindustrie wollen die Beschäftigten mehr Geld sehen. Die Große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg beschloss am Mittwoch nahezu einstimmig, »bis zu 6,5 Prozent« zu fordern. Das Ländle ist der Pilotbezirk für die Metallbranche, an dem sich die Verhandlungen in anderen Bundesländern orientieren.

Es war eine lange Diskussion, sagte Bezirksleiter Jörg Hofmann, am Ende standen die 6,5 Prozent. Je nach Betrieb und wirtschaftlicher Lage hätten Tarifkommissionsmitglieder eine Forderung zwischen sechs und acht Prozent für die rund 750 000 Beschäftigten in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie ins Spiel gebracht. »Im Hohenlohischen zum Beispiel läuft die Wirtschaft sehr gut, da erwarten die Leute natürlich mehr«, so Hofmann. Er selbst hatte den Rahmen von 6 bis 6,5 Prozent im Vorfeld empfohlen. Dass die Tarifkommission dem in Sindelfingen nun nicht grundlegend widersprach, war zu erwarten. »Nein, es gab keine revolutionären Forderungen«, bestätigte ein Mitglied der Kommission nach der Debatte.

Hofmann begründet die 6,5 Prozent mit der wirtschaftlichen Entwicklung sowie mit der zu erwartenden Teuerungsrate. Das vergangene Jahr sei mit einer zu erwartenden Nettorendite von 4,2 Prozent ein weiteres Rekordjahr für die Metall- und Elektroindus-trie gewesen. Und das nachdem 2010 das drittbeste Jahr seit 1991 gewesen sei. Die gute Auftragslage haben die Beschäftigten deutlich gespürt. Massenweise Überstunden, Sonderschichten und Samstagsarbeit waren in vielen Betrieben die Regel. Jetzt wollen die Beschäftigten ihren Teil vom Gewinn. Selbstverständlich werde man gerade in großen Unternehmen wie Mercedes und Porsche, aber auch bei gut laufenden mittelständischen Zulieferern »ordentliche Einmalzahlungen« für die Beschäftigten herausholen, sagte Hofmann. Im Zentrum aber stehe, alle Beschäftigten an den Gewinnen zu beteiligen und die allgemeine Lohnerhöhung tabellenwirksam zu machen. »4,8 Prozent muss mindestens sein«, sagte Hofmann gegenüber dem SWR.

Neben dem Lohn werden in den kommenden Wochen auch qualitative Themen verhandelt. Die IG Metall im Südwesten will in Tarifverträgen die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden regeln und sie will mehr Mitspracherechte bei Leiharbeit. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall habe sich bislang »sehr bedeckt« gehalten. Hofmann: »Wenn eine Schnecke schnell läuft, ist der Prozess gerade langsam.« Er würde die Übernahme und die Leiharbeiterfrage gerne gesondert und vor der Entgeltrunde abschließen. Auch, um der Gefahr zu entgehen, dass die Arbeitgeber dies mit Abstrichen in der Lohnforderung erkaufen. Das werde es nicht geben, so Hofmann. Die Tarifkommission habe indes deutlich gemacht, dass sie von den qualitativen Themen nicht abrücken werde.

In den kommenden Wochen wird die Empfehlung der Tarifkommission nun noch einmal in den Betrieben diskutiert. Endgültig beschlossen wird sie am 23. Februar. Dann muss der Vorstand der IG Metall in Frankfurt die Forderung genehmigen. Gekündigt wird der Entgelttarifvertrag zu Ende März, erste Verhandlungen gibt es noch im März. Die Friedenspflicht endet am 28. April, dann kann gestreikt werden.

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