Ein deutsches Paar möchte Gutes tun: ein indisches Waisenkind adoptieren. Aber die Eheleute geraten in einen tückischen Fall von Kinderhandel hinein, der das Unentrinnbare aufreißt: Hilfe und deren kriminelle Ausnutzung kleben geradezu ineinander. Die Barmherzigkeit der Begüterten prallt auf die sich mafiotisch organisierende Notwehr der Armen. Solidarität, das Unschuldsmotiv, trifft in dieser hochkomplex verknüpften Welt fortwährend auf das Unglück, schuldig zu werden. Wer meint, zur Lösung eines Problems beitragen zu können, sieht sich alsbald mit der traurigen Wahrheit konfrontiert, selber zum Problem zu gehören. Man meint, seinem Herze zu gehorchen, aber man handelt auf einem Markt.
»Raju« heißt der Kurzfilm von Max Zähle, gedreht vor zwei Jahren in Indien als Abschlussarbeit der Hamburg Media School. Ein Streifen, vielfach unterstützt von Hilfsorganisationen, die Hauptdarsteller verzichteten auf ihr Honorar. Die Dreharbeiten wurden von Journalisten der »Times Of India« begleitet, sie recherchierten nach Ende der Arbeit weiter, verkeilten sich geradezu in finsterer Realität und erreichten, dass zwei kriminell durchsumpfte Kinderheime geschlossen wurden. Regionale Politiker mussten zurücktreten. Und die Filmcrew gründete selbst, in Kalkutta, eine Hilfsorganisation (»We help children in Kolkata«) zur Ausbildung von Slumkindern.
Zähle, 1977 in Hannover geboren, ist der Sohn eines Diplomingenieurs und einer Lehrerin. Ein Mensch der Generation Projekte. Immer auf dem Sprung, auf der Suche also nach dem Brett, das den Schwung für höhere Luftlagen bringt. Ein Videooperator, ein Aufnahmeleiter, ein Regieassistent, ein Mitarbeiter beim Schnitt und schließlich: Regie bei ersten Kurzfilmen. Dann Marketingstudium, Abschluss als Kommunikationswirt, Arbeit als Film- und Videoeditor, erfolgreicher Werbefilmer. Dann endgültig Regisseur und 2011 Gewinner des Studenten-Oscar in Bronze. Das lässt Leidenschaft ahnen, Rasanz im Ausprobieren und Hartnäckigkeit für Zielsetzungen. Die Reise zur Oscar-Verleihung im Februar ist für Max Zähle fast schon Routine. »Raju« erhielt bereits mehrere US- Preise.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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