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Foto: www.hans-joachimhacker.de
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nd: Seit Jahren klagen Flugzeugbesatzungen und Passagiere über chemische Gerüche und gesundheitliche Beeinträchtigungen, im Verdacht steht kontaminierte Kabinenluft. Was ist da dran?
Hacker: Es gibt ein Problem, das sagen auch Experten einhellig. In die Kabinenluft können, über das Ansaugsystem der Klimaanlagen, toxische Substanzen aus den Triebwerken eindringen. Und zwar in die Passagierkabinen und die Räume der Flugbegleitung. Im Triebwerksöl enthalten sind verschiedene Zusatzchemikalien, unter anderem das hochgiftige Tri-Kresyl-Phosphat. Von Experten werden diese »smoke/fume-events« nicht abgestritten. Doch die Auswirkungen auf die Gesundheit sind noch unklar. Ebenso die Frage des technischen Managements, um das Problem zu beseitigen.
Welche Klagen gibt es?
Vielfliegendes Bordpersonal berichtet von stechenden Schmerzen in Armen, Händen und Füßen, von Schwindel, Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche, chronischer Müdigkeit, Asthma. Sogar der Verdacht auf Schädigungen des Nervensystems und Krebs wurde geäußert. Hier spricht man vom Aerotoxischen Syndrom. Es liegen zahlreiche Stellungnahmen von ehemaligen Flugkapitänen und Besatzungsmitgliedern vor. Einwandfrei medizinisch bewiesen ist der Zusammenhang zwischen Beschwerden und kontaminierter Kabinenluft bisher nicht.
Gibt es Berichte erkrankter Urlauber?
Darüber ist mir nichts bekannt. Bei Flugreisenden ist die Belastung natürlich viel geringer als beim Personal, das jeden Tag acht Stunden unterwegs ist. Die Beeinträchtigung ist da in einer ganz anderen Dimension vorhanden.
Die SPD-Fraktion hat einen Antrag im Bundestag gestellt ...
Wir fordern von der Bundesregierung Untersuchungen im wissenschaftlich-technischen Bereich. Langzeitmessungen zur Schadstoffbelastung der Kabinenluft und die Erforschung darüber, ob ein direkter Zusammenhang zwischen kontaminierter Kabinenluft und Gesundheitsschäden existiert. Die Flugzeughersteller forschen an dem Thema und nehmen das Problem ernst. Die Politik darf hier nicht einfach abwarten, sondern muss ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Fluggäste und des Personals gerecht werden und eingreifen. Vor allem fordern wir, dass bei dem Zapfluft-System neue Varianten entwickelt werden und bei der Entwicklung nichtgiftiger Schmieröle für Triebwerke etwas passiert. Das zuständige Bundesluftfahrtamt, Airlines und Triebwerkhersteller müssen an einen Tisch gebracht werden, auch um eine Technik zu entwickeln, die Kabinenluft von Triebwerksluft trennt.
Was sagt Schwarz-Gelb dazu?
Uns wird unterstellt, das Ganze unnötig aufzublasen. Dabei haben wir keinen Kampfantrag gestellt, sondern wollen für ein jahrelang diskutiertes Sachproblem Lösungen finden. Für mich war ein Medienbericht Ende vergangenen Jahres ausschlaggebend, dass laut Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen für 2010 insgesamt 60 Öldampf-Störfälle gemeldet wurden. Und ein jüngst bekannt gewordener Fall aus England, bei dem zwei Piloten über Beschwerden berichten. Das hat mich aufgerüttelt.
Fragen: Benjamin Beutler
live und hautnah sozusagen.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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