Sie schienen schon geschlagen, lagen 13 Minuten vor Schluss noch mit vier Treffern zurück. Doch die deutschen Handballer verweigerten sich der Niederlage, durch zwei Tore von Kapitän Pascal Hens, der bisher so enttäuscht hatte, drehten sie tatsächlich das Spiel, und als Christian Sprenger vier Minuten vor Schluss zum 31:29 traf, da lebte der Traum von Olympia und vom Halbfinale noch. Doch dann klappte kaum noch etwas und das deutsche Team verlor mit 32:33 (17:18)-Toren gegen Polen. Nach Abpfiff sanken die Spieler auf die Bank, einige waren wütend, bei anderen flossen Tränen. Denn mit 5:5-Punkten war die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bei der EM in Serbien ausgeschieden.
Durch die Niederlage haben die deutschen Handballer es verpasst, viele Dinge auf einmal zu erledigen: Die Startberechtigung für eines der Qualifikationsturniere im April, die über sechs weitere Tickets in London 2012 entscheiden, war nun nur noch theoretisch machbar. Den 60 Minuten in der nur mäßig besetzten Belgrad-Arena wird der Handball noch lange nachweinen.
Vor der Partie waren die Deutschen optimistisch, weil sie glaubten, auf der wichtigsten Position, im Tor, Vorteile zu haben. Die Polen mussten für das Turnier auf Stammkeeper Slawomir Szmal (verletzt) verzichten, und die beiden Vertreter, Marcin Wichary und Piotr Wyszomirski, genügen internationalen Ansprüchen eigentlich nicht. Die deutschen Torhüter Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), der gestern startete, und Carsten Lichtlein (Lemgo) hingegen sind erfahren. Bundestrainer Heuberger sieht in Heinevetter gar den besten Torwart der EM.
Doch das war nur graue Theorie. Heinevetter fasste in den ersten zehn Minuten keinen Ball an, während sein Gegenüber Wyszomirski drei Paraden lieferte. So zogen die Polen flugs auf 4:2 (5. Minute) davon. Da aber der deutsche Angriff in der ersten Viertelstunde schnelles Tempospiel an den Tag legte, fiel die DHB-Auswahl nicht aussichtslos zurück.
Eine Auszeit durch Heuberger brachte nicht die Wende. Aber als er beim Stand von 12:9 (18.) Torhüter Heinevetter durch Lichtlein ersetzte und der Lemgoer gleich den ersten Ball abwehrte, wurden die Deutschen stabiler. Sie kämpften sich erneut ins Spiel zurück. Die Initialzündung lieferte die Flügelzange vom THW Kiel, Linksaußen Dominik Klein und Rechtsaußen Christian Sprenger. Beide brachten das Kunststück fertig, trotz Unterzahl zum 14:12 zu verkürzen, vier weitere Treffer des Gespanns sorgten für den Ausgleich zum 16:16 (27.).
Auch nach der Pause startete das DHB-Team schlecht, lief permanent Rückständen hinterher. Als Karol Bielecki zum 24:28 (45.) einwarf, schien die Vorentscheidung gefallen. Trotz vieler Zeitstrafen kamen die Deutschen erneut zurück. Erst als Michael Haaß sich kurz vor Ende schwer verletzte, war die Moral gebrochen.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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