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Von Bernd Kammer 26.01.2012 / Berlin / Brandenburg

Überm Müggelsee wird es laut

Offenbar keine Veränderungen bei Flugrouten für Schönefeld

Der Protest der Anwohner rings um den Müggelsee hat offenbar nichts genutzt: Der See darf von startenden Flugzeugen überflogen werden. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hat laut Medienberichten die umstrittenen Flugrouten für den Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld kaum verändert. Die Behörde wollte sich gestern dazu nicht äußern und verwies auf die für heute angekündigte Vorstellung der Routen.

Das vorliegende Routenkonzept der Deutschen Flugsicherung (DFS) war Anfang Juli 2011 präsentiert worden. Es sieht vor, dass bei Ostwind Richtung Osten startende Flugzeuge den Müggelsee überfliegen, und zwar in etwa 1150 Meter Höhe 122 Mal am Tag. Laut DFS gibt es dazu keine Alternative, weil ansonsten Erkner zu stark belastet würde. Der Ort muss bereits den Lärm der landenden Flugzeuge ertragen. Die Ausweichroute über die Gosener Wiesen, die auch das Umweltbundesamt empfohlen hatte, lehnt die DFS ab, weil dies die Wirtschaftlichkeit des Flughafens einschränken würde. Die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) kritisiert, dass diese Route von der DFS gar nicht geprüft wurde. Gebiete wie Wannsee, Lichterfelde, Kleinmachnow und Teltow werden täglich etwa 50 Mal überflogen. Besonders stark betroffen sind Blankenfelde und Rangsdorf, auch in Wildau und Königs Wusterhausen muss man sich auf Lärm einstellen.

Bürgerinitiativen haben bereits Klagen angekündigt, sollten diese Routen bestätigt werden. Die Bürgerinitiative Schallschutz Rangsdorf hält den Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahre 2004 zum Flughafen für rechtswidrig, weil darin von anderen Routenführungen ausgegangen wurde. Nun würden Menschen zum Teil massiv verlärmt, die nicht damit rechnen konnten. Die Friedrichshagener Bürgerinitiative will Beschwerde bei der EU einreichen.

Während Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) in den neuen Flugrouten einen Erfolg der Verhandlungen mit betroffenen Gemeinden sieht, spricht der verkehrspolitische Sprecher der Berliner Linkspartei, Harald Wolf, von erheblichem Korrekturbedarf. Besonders die Belastung des Berliner Südostens wird abgelehnt. »Es ist nicht zu erkennen, dass der Senat gegenüber den Bundesbehörden aktiv geworden ist.«

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Hauptstadtflughafen BER

    Seit Monaten hieß es am neuen Berliner Flughafen intern: Es gibt Probleme, aber wir schaffen das. Nach der Verschiebung steht der Flughafen-Start jetzt in den Sternen. Rund um den neuen Flughafen Berlin Brandenburg häufen sich die Probleme - die wieder einmal geplatzte Eröffnung ist nicht das einzige.
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