Berlin (nd-Heilig). Nach sich mehrender Kritik an der schleppenden Aufklärung der Verbrechen des »Nationalsozialistischen Untergrundes« (NSU) fanden am Mittwoch in Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg Razzien statt. Über 100 Polizisten der Länder sowie des Bundeskriminalamtes durchsuchten zwei Geschäftslokale in Sachsen sowie drei Wohnungen in Thüringen und Baden-Württemberg.
Die vom Generalbundesanwalt angeordneten Aktionen richteten sich nach nd-Informationen gegen vier mutmaßliche Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle. Zwei der Beschuldigten sollen den inzwischen getöteten Mitgliedern der NSU-Terrorzelle, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, sowie der in Untersuchungshaft sitzenden Beate Zschäpe bereits 1998 Sprengstoff und eine Schusswaffe besorgt haben. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass sie den »NSU« auch danach unterstützt haben. Die beiden anderen Beschuldigten sollen den Mitgliedern des »NSU« in den Jahren 2002 und 2003 »in Kenntnis der terroristischen Ziele der Gruppierung« mehrere Schusswaffen verschafft haben.
Die Orte Laasdorf und Wolfersdorf waren Ziele der Razzia in Thüringen. Man durchsuchte Wohnungen von Frank L. und Andreas S. sowie den sogenannten Hasshof. L. ist in der rechtsextremistischen Szene bekannt, er war Besitzer eines einschlägigen »Modegeschäfts« in Jena. Auch in Dresden-Gorbitz rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an, um eventuellen Widerstand zu brechen. Die Durchsuchungsaktion in Baden-Württemberg fand in Ludwigsburg statt. Gegen die neu hinzugekommenen Verdächtigen wurden nach Angaben eines Sprechers keine Haftbefehle beantragt. Dem »NSU« werden zehn Morde sowie Bombenanschläge und Banküberfälle zur Last gelegt. Am heutigen Donnerstag soll im Bundestag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum Rechtsterrorismus beschlossen werden.
Siehe auch: Aufklärung in Sachsen hat Zeit
Die Enttarnung des Zwickauer Nazitrios rückt den Kampf gegen rechts wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Die Politik erschwert die Arbeit der Initiativen gegen Rechtsextremismus, denn die Projekte haben mit Mittelkürzungen und der Extremismusklausel zu kämpfen. Die Diskussion über ein Verbot der NPD ist in Fahrt - das Verfahren jedoch noch lange nicht in Sicht.
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