Mit dem Spektakel am Grab von Friedrich II. in Sanssouci ist der Rummel zum 300. Geburtstag des Königs keineswegs vorüber. Im Gegenteil. Jetzt geht das Friedrich-Jahr erst richtig los. Die große Ausstellung »Friederisiko« beispielsweise wird am 28. April im Neuen Palais eröffnet.
CDU-Landeschefin Saskia Ludwig freut sich, dass der Geburtstag »gebührend« gefeiert werde. Die Spuren des Königs seien noch heute in Brandenburg »greifbar«, sagt sie. »An den Maßstäben seiner Zeit gemessen, hat er sich wohl verdient gemacht um das Land.« Ludwig schwärmt für preußische Tugenden wie Disziplin und Sparsamkeit, »die auch heute Orientierung geben können«.
Das Bündnis »Fuck off Fritz« versucht stattdessen, die preußischen Tugenden zu entlarven als »autoritären Gesellschaftskit« und Grundlage für den Faschismus. Würde man den Monarchen objektiv an seinen Taten und nicht an seinen schönen Worten messen, »so könnte man das ganze Preußenmärchen in Ruhe ad acta legen«, heißt es von dieser Seite. Friedrich würde heute wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Kriegsverbrechertribunal stehen.
Moritz Kirchner, ein Kreisvorständler der Potsdamer LINKEN, sortiert sich zwischen diesen extremen Positionen ein. In Zeiten, in denen Kriege wieder Mittel der Politik sind, sei eine differenzierte Betrachtung Friedrichs »wichtiger denn je«, findet er. Es wäre zu einfach, den König »nach heutigen Maßstäben als Imperialisten zu brandmarken«, weiß Kirchner. Auf der Habenseite Friedrichs II. verbucht er die Abschaffung der Folter, den Toleranzgedanken und die Aufhebung der Zensur für den unpolitischen Teil der Zeitungen. Kirchner macht aber darauf aufmerksam, dass der König nicht aus Idealismus das Oderbruch trockenlegen ließ und die verfolgten Hugenotten aufnahm. Friedrich habe Menschen gebraucht, um seine Kriege zu führen. Er habe die Armee skrupellos eingesetzt.
LINKE-Kreischef Sascha Krämer fragt sich, ob es wirklich sein muss, ein ganzes Jahr lang den Geburtstag Friedrichs zu feiern und dabei Geld zu verschwenden, wo doch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mit dem Gedanken spielt, Eintritt für den Schlosspark Sanssouci zu verlangen, weil die Mittel für die Pflege nicht ausreichen. Nach Ansicht Krämers gibt es Bessere, die man in Potsdam ehren könnte und müsste, etwa Max Dortu, den erschossenen 1848er-Revolutionär oder den Potsdamer Reichstagsabgeordneten Karl Liebknecht, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmte. Doch dafür nehme sich die Stadt Potsdam keine Zeit.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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