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Lena Tietgen 27.01.2012 / Bildung

Bildungsrauschen

Verankerter Antisemitismus

Laut einer aktuellen Studie ist Antisemitismus in »erheblichem Umfang« in der Gesellschaft verbreitet. Wie schwierig es ist, Rassismus aufzubrechen zeigt ein Disput im Internet (bit.ly/xld6mt). Dort diskutiert der/die 15-jährige Gymnasiast/in Keyo die Frage: »Wie zeige ich einem Menschen, dass es falsch ist, rassistische Wörter zu benutzen? Wie kann man Kinder/Jugendliche die rassistisch (angehaucht) denken, überzeugen, solche Wörter und Denkweisen zu unterlassen?«

Nikita Bergmann postet: »Es gibt ein Gesetz, das die Schulen verpflichtet, Kinder und Jugendliche von allen extremistischen Ideologien zu ›entlernen‹. Weise doch Deine Lehrer darauf hin und bitte sie, das Thema ›Rassismus und Antisemitismus‹ öfter im Unterricht zu behandeln.« Keyo erwidert: »Leider gucken die Lehrer meiner Schule eher weg und tun nichts. Nur wenige sind bereit, einzugreifen und das auch erst dann, wenn es ins Handgreifliche geht. Persönlich habe ich bisher so gehandelt, wie du mir vorschlägst. Im Großen und Ganzen änderte sich zwar nicht viel aber immerhin vermeiden meine Klassenkameraden Ausdrücke in meiner Nähe. Einmal hatten wir das das Thema ›Rassismus‹ im Unterricht mit einer gewissen Wirkung, die langsam nachlässt. Die Lehrerin geht und andere sind nicht bereit, ihren ›wertvollen‹ Unterricht für ›Überflüssiges‹ zu opfern.«

Heart Angel meint: »Vielleicht klärt man die Schüler besonders über den 2. Weltkrieg auf: Was damals wirklich passierte und was dieser Hass anrichtete. Hitler interessierte es nicht, was aus der Bevölkerung wurde. Er war nur machtbesessen. Jeder Deutsche, der eine andere Meinung hatte, wurde entweder ins Gefängnis gesperrt oder umgebracht. Vielleicht zeigt auch der Film ›Sophie Scholl - die letzten Tage‹ bei denen Wirkung.« Hierauf Keyo: »Das Thema ›Zweiter Weltkrieg‹ kommt frühestens in Klasse 10. Das größte Problem mit Nazis und Rassisten ist, dass sie einfach zu beschränkt sind, zu diskutieren. Für sie und ihre ›Nachwüchsler‹ ist Rassismus leider ›In‹. Die meisten in meinem Alter bemerken nicht einmal, dass sie sich rassistisch äußern.«

Atze antwortet: »Es gibt keinen schnellen und einfachen Weg, Rassismus ›abzustellen‹ (...). Es bedarf eines längeren Weges von Umlernen, neuen Einsichten, neuen Erfahrungen etc. Hilfreich wäre eine Atmosphäre und ein Rahmen, in denen rassistische Handlungen und Äußerungen sofort auf allgemeinen und massiven kritischen Widerspruch stießen. Das Problem darf nicht nur das der Rassisten und ihrer Adressaten bleiben sondern muss die Schule insgesamt fordern: Stellungnahme der Schulkonferenz, der Eltern, der Schüler, aufgreifen des Themas im Unterricht - z.B. in Physik: Welche Physiker aus rassischen Gründen von den Nazis umgebracht oder ins Exil getrieben wurden.«


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