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Von Hagen Jung 27.01.2012 / Inland

Nazis prügeln Punker

Niedersachsens Linksfraktion rügt Polizei und Verfassungsschutz

Polizei und Verfassungsschutz haben versagt: Das meint die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag angesichts eines brutalen Überfalls, den Neonazis in Delmenhorst verübten. Sie schlugen und traten am Rande eines Konzerts der rechtsgerichteten Band »Kategorie C« einen Punker krankenhausreif.

Die Formation »Kategorie C«, die der Bremer Verfassungsschutz in seinem Bericht unter der Rubrik »sonstige gewaltbereite Rechtsextremisten« aufführt, ist durch Gewalt verherrlichende und rassistische Texte bekannt. Kurzfristig habe die Band ihren für das rheinländisch-pfälzische Pirmasens geplanten Auftritt am Samstag nach Delmenhorst verlegt, berichtete die dortige Polizei erst am Mittwochabend. Sie beruft sich dabei auf Erkenntnisse des niedersächsischen Verfassungsschutzes. Doch trotz der Mitteilung des Geheimdienstes beschränkten die Ordnungshüter ihre Aktivität auf »zusätzliche Einsatzkräfte in Zivil im Stadtgebiet«. Sichtbare Polizeipräsenz an einem möglichen Veranstaltungsort gab es nicht. Zunächst ging die Polizei wegen fehlender Erkenntnisse davon aus, dass es kein Konzert der Band in der Stadt geben wird. Erst die Auswertung eines Videos am Dienstag habe »in Verbindung mit den in der Nacht von Samstag auf Sonntag gesammelten Erkenntnissen« bestätigt, dass das Konzert stattgefunden hat.

In jener Nacht ging ein Punker-Paar an der Kneipe vorüber, in der die »KC«-Musiker ihr Programm abspulten. Etwa 20 zum Teil mit Baseballkeulen bewaffnete Konzertbesucher, so war zu erfahren, seien auf den jungen Mann und seine Freundin los gestürmt. Während diese »nur« weggestoßen wurde, prügelten die Angreifer den 21-Jährigen zu Boden, traten sodann dem Wehrlosen mehrmals gegen den Kopf. Der Schwerverletzte musste ins Krankenhaus.

»Dieser Überfall zeigt wieder einmal, wie gefährlich die Neonazis sind. Sie sind jederzeit zur Gewalt bereit, sie prügeln und sie morden«, erklärte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Pia Zimmermann. Sie kritisierte, dass keine Polizei vor Ort war, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Und: »Der Verfassungsschutz muss sich abermals fragen lassen, was er dazu beiträgt, Menschen vor gewalttätigen Attacken zu schützen.« Auch die Rolle des Kneipen-Eigentümers müsse näher beleuchtet werden. Er soll Kontakt zur Rocker-Szene haben. »Wir haben schon mehrfach auf Verbindungen zwischen Rocker-Clubs und militanten Neonazis hingewiesen«, so Pia Zimmermann. Sie kündigte an, den Vorfall zum Thema der kommenden Landtagssitzung zu machen.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Terror von Rechts

    Die Mordserie von Neonazis wirft weiter Fragen auf. Täglich kommen neue Details ans Licht. Doch vor allem die Arbeit von Polizei und Verfassungsschutz gibt Rätsel auf. Mehr

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