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Hans-Dieter Schütt 28.01.2012 / Feuilleton

Macht der Pracht

Der Schrecken ist ein Meister des schönen Angesichts. Aus Entfernungen sehen selbst Schneegräber prächtig aus.

Die Menschen auf diesem Foto reihen sich und bewegen sich vorwärts aus tiefer Sorge. Eine Szene aus dem nordöstlichen Afghanistan. Ein tiefer, ungewohnter, in seiner Heftigkeit geradezu gnadenloser Winter. Als wolle auch er einen Krieg gewinnen. Er bildet Kessel, hungert aus, tötet. Er sorgt, dass die Leute gleichsam hinter den Augen frieren: Es gibt keine Farbe mehr, jetzt wäre wohl sogar Wüste ein Farbparadies. Immer wieder brechen Helfertrupps, wie dieser, in langgestreckten, stoisch stapfenden Formationen aus, um isolierte Dörfer zu befreien und zu versorgen. Menschen und Tiere. Die Werkzeuge: Schaufeln, Wolldecken, ein bisschen Nahrung und Medizin und Brennholz, in den quasi nackten Händen oft nichts als die Hilfsbereitschaft.

Der lange Marsch hat immer wieder seine sehr eigene Ästhetik. Albert Camus sah in einer Ausstellung die größten Menschenkarawanen der Weltgeschichte, schier endlose Kolonnen von Römern oder von Sklaven oder von chinesischen Revolutionären oder von deutschen Kriegsgefangenen auf Wegen nach Sibirien - die einen fahnenbekränzt, die anderen staubumsäumt, die Chinesen bannerbestückt, die in Russland Zusammengetriebenen von Eisstürmen gedrückt. Oder lange schwarze Reihen von Bombern am Himmel. Der Schriftsteller notierte im Tagebuch: »Malerisch.« Das war nicht Zynismus, das war Reaktion auf einen Zusammenklang des Unvereinbaren, der uns oft genug irritiert, nämlich der widernatürliche Bund von Menetekel und Magie, von etwas Beängstigendem oder Ohnmächtigem, das sich uns aber in faszinierenden Bildern mitteilt.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • DieterKrause, 29. Jan 2012 18:04

    es wird immer abstruser!

    nachdem Herr H-D. Schütt den" Krieg als einen großen Künstler" entdeckt hat, nun eine weitere Erkenntnis: " der Schrecken ist ein Meister des schönen Angesichts". Er berauscht sich geradezu an der äußeren Erscheinung schlimmer großer Ereignisse und seine philosophischen Auslassungen machen es nicht besser, sonder entfernen sich von der Wirklichkeit, und sind abstoßend für Menschen, die die Ereignisse erlebt haben.
    DieterKrause

    • Permalink

  • Rotspoon, 29. Jan 2012 18:15

    ES

    Geht mit ihm durch. Immer schneller, immer schneller, immer schneller. Ein wortgewaltig babbelndes Ärgerniß

    • Permalink

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