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Sebastian Blottner 28.01.2012 / Feuilleton

PLATTENBAU

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Sie schicken sich an, in diesem Jahr das große neue Ding zu werden. Eigentlich sind sie es schon, selten wird um Debüt-LPs vorab derartig Trubel veranstaltet. Kraftklub aus Chemnitz sind »original Ostler«, wie sie in einer Hymne auf ihre Geburts- und damals gerade noch Karl-Marx-Stadt unterstreichen. Zwei Gitarren, ein Bass, Schlagzeug und Gesang: eine klassische Formation, die in die Fußstapfen von Indierockbands wie den Beatsteaks oder auch Rap-Weiterentwicklern wie Casper treten.

Ihren Bandnamen schreiben sie »Mit K« - was zum Titel ihres gerade erschienenen Albums taugt. Das ist ein Statement. Eines von vielen, die diese Jungs Anfang 20 auf Lager haben. Musik, Mädchen, Medienpräsenz - mit ausreichend Ironie spießen Kraftklub die von Berlin aus dominierte Szene und gern auch einmal sich selber auf. Ohne betont witzig wirken zu wollen, was im Ergebnis cool ist. Ihr Song »Ich will nicht nach Berlin« ist ihr bester Slogan, ein längst überfälliger. Man fragt sich: Warum um alles in der Welt hat das den fast ausschließlich in der Provinz geborenen Hauptstadt-Kreativ-schnöseln vorher noch niemand ins Gesicht geschrien? Kraftklub gebührt dafür Anerkennung, auch wenn ihr Majorlabel Universal an der Spree residiert und ihr großschnäuziger Manager Beat Gottwald haargenau den Look trägt und die Ich-bin-furchtbar-unangepasst-Attitüde verkörpert, die Kraftklub in dem Lied zu Boden karikieren.

Bevor man Kraftklub gehört hat, hat man sie meist schon gesehen: die mediale Inszenierung war bereits perfektioniert, da gab es noch keine EP auf dem Markt. Ihre Uniform mischt provokant die Skinheadmode mit urbanem »Style«: Über weißen Turnschuhen tragen die Fünf schwarze Jeans, darin schnieke weiße Polohemden mit Bandlogo stecken, farblich kontrastiert von schmalen roten Hosenträgern. Darüber Collegejacken, alles in allem ein sehr ordentliches Outfit, ein griffiges visuelles Konzept.

Auf musikalischer Ebene bieten Kraftklub nicht unbedingt Neues. Ein erfrischend jugendlich-geradliniges, aggressives, unverbrauchtes Könnertum, das punkigen Indierock mit Sprechgesang versetzt, macht aus ihnen aber eine super Band. So muss Rock 'n' Roll heute klingen, auch wenn sie beklagen, dafür »zu jung« zu sein, allerdings nicht was ihr Alter, sondern ihre Generation angeht: In puncto Rebellion hätten ihnen die Eltern nicht viel gelassen und demütig müssten sie daher den »Erzählungen der Alten« lauschen.

Diese Eltern! Im Fall von Kraftklub entstammen sie unter anderem der alternativen DDR-Musikszene, zählten zu den Gründern des legendären Karl-Marx-Städter Clubs Antomino - in dem nun auch Kraftklub groß wurden - und zu den »Klangfuturisten« der AG Geige, einer in den achtziger Jahren zu Bekanntheit gelangten Truppe experimentierender Querschläger. Die auf den ersten Blick überraschende Professionalität und Selbstsicherheit der Band erklären sich vor diesem Hintergrund schon besser.

Zu jung sind sie mitnichten für Rock 'n' Roll. Nein, gerade jung genug.

Kraftklub: Mit K (Universal)

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