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Von Tobias Riegel
28.01.2012

Unterm Bass-Brei

Lauryn Hill wurde von der Tontechnik im Stich gelassen

Zu Beginn wollte man noch gerne an einen dramaturgischen Kniff glauben. Daran, dass sich aus dem undefinierbaren Klang-Matsch, der sich in den ersten Minuten des Konzertes der US-Sängerin Lauryn Hill verbreitete, schlagartig ein Song in glasklarer Qualität herausschälen würde. Doch die Fans im restlos ausverkauften Tempodrom wurden am Donnerstagabend von der Technik ebenso im Regen stehen gelassen wie die Künstler.

Dabei waren die Vorzeichen eigentlich günstig für ein großes Popkonzert. Da stand auf der einen Seite mit Hill eine sich mittlerweile rar machende, künstlerisch wie menschlich höchst respektierte Persönlichkeit. Hatte die Afroamerikanerin doch nicht nur großen Anteil am sagenhaften Erfolg des Hip-Hop-Trios »Fugees« (»Killing me softly«) in den 90er Jahren. Auch und gerade als Solokünstlerin räumte sie reihenweise Preise ab und grenzte sich nicht zuletzt durch ihr so stolzes wie bescheidenes Auftreten wirkungsvoll vom verflachten Popzirkus ab. Der endgültige Ritterschlag im Musikadel war dann die Heirat mit einem Bob-Marley-Sprössling sowie das Post-Mortem-Duett mit dem Rasta-Propheten selbst. Auch das scheinbare Ende der akustischen Balladenphase, die die mehrfache Mutter in den letzten Jahren durchlief, erhöhte die Vorfreude.

Auf der anderen Seite harrte ein sehr dankbares Publikum. Das zeigte sich schon während der klaglosen Hinnahme eines nicht enden wollenden DJ-Intros. Jener handwerklich einwandfreie Mix aus Hip-Hop-Klassikern der 90er Jahre wies nebenbei frappierende Ähnlichkeit auf zur Eröffnung des jüngsten Berlin-Konzertes von Erikah Badu, einer Schwester Hills im Geiste. Diese antizyklische Verneigung vor den bösen Buben des frühen Hip-Hop, Hill wie Badu offensichtlich ein Bedürfnis, ist dennoch sehr sympathisch.

Leider verabschiedete sich mit dem DJ aber auch der unbeschwerte Hörgenuss. Ab dem Moment, in dem die sechsköpfige Band samt Background-Trio ihre Instrumente einstöpselte, machte ein alles überlagernder Bass-Brei die Identifikation selbst gut bekannter Songs schwierig. Und das ging offensichtlich nicht nur dem Publikum so: Von Anfang an hatte die Performance der mit kurzem Afrolook, weißen Stiefeln und schwarzem Mäntelchen angetanen Hill etwas fahriges - wobei der hektisch-abgehackte Tanzstil der 36-Jährigen bei besseren Rahmenbedingungen durchaus als Kunstform hätte durchgehen können. In Berlin aber erhielten jene Bewegungen einen fragenden, fast orientierungslosen Beigeschmack.

Kredenzt wurden, soweit identifizierbar, alle Hits ihrer Kariere. Von »Ex-Factor« und »Everything is Everything« vom großartigen Debütalbum über die größten Fugees-Erfolge wie »How many Mics«, »Ready or not« und dem unvermeidlichen »Killing me softly«. Etwas mehr Fantasie hätte der Auswahl der Coverversionen gutgetan. Mit »Concrete Jungle«, Could you be loved« und »Turn your Lights down low« war Bob Marley gleich drei mal vertreten. »Master Blaster« von Stevie Wonder wurde in halsbrecherischer Geschwindigkeit umgesetzt - so wie alle Songs an jenem Abend eine Spur zu schnell erschienen, ganz so als seien sie vom Virus der hektischen Roadie-Aktivitäten rund um Bühne und Mischpult infiziert gewesen.

Dem Publikum gebührt Anerkennung für seine Höflichkeit. Zwar wurden zwischenzeitlich »Soundcheck!«-Rufe laut, doch die große Mehrheit ließ sich weder vom Feiern noch vom Applaus abhalten. Ein Fakt, der die Tragik des Abends aber noch erhöht, da er ahnen lässt, was in dieser Nacht möglich gewesen wäre - wäre nicht das Schlagzeug plötzlich für mehrere Songs unhörbar gewesen, hätte man Hills facettenreiche Stimme von Beginn an so laut geregelt, dass die Sängerin und Rapperin gar nicht erst hätte anfangen müssen zu schreien, hätten die technischen Probleme nicht die Künstler permanent irritiert, ja das gesamte Bühnengeschehen banalisiert.

Lauryn Hill trifft keine Schuld. Ihre genervte Grundstimmung, das Fehlen selbstvergessener Leichtigkeit kann ihr unter den Umständen keiner verdenken. Und für Momente blitzte sie dann auch auf unter dem Bass-Brei: die Magie der einstigen Königin des R'n'B.

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