Auf dem Rückflug von einem Besuch der französischen Überseedepartements in der Karibik plauderte Präsident Nicolas Sarkozy drei Stunden lang mit Journalisten. Keinesfalls wollte er wörtlich zitiert werden. Inzwischen kann man jedoch auch Zitate lesen. Die Zeitungen begründen das mit der Bedeutung des Themas. Immerhin hatte Sarkozy erstmals laut darüber nachgedacht, dass seine Wiederwahl im April vielleicht misslingen könnte.
Auf eine entsprechende Frage sagte er: »Im Falle einer Niederlage mache ich Schluss mit der Politik. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich mich dem möglichem Ende meiner Karriere gegenüber.« Er werde sich nicht an seinem Sessel festkrallen, er sei kein Diktator, versicherte Sarkozy. Er habe in seinem politischen Leben alles erreicht, was man nur erreichen könne. »Auf jeden Fall würde ich mein Leben völlig ändern. Sie würden meinen Namen nicht mehr hören.« Wie andere Altpräsidenten als hochbezahlter Redner auf Konferenzen in aller Welt aufzutreten, um seinen Namen zu »versilbern«, könne er sich nicht vorstellen. Dafür spricht er allerdings auch zu schlecht Englisch.
Sarkozy erinnerte daran, dass er von Beruf Anwalt ist und dass ihn diese Tätigkeit immer gefesselt habe. Sein Freund Martin Bouygues, Gründer und Chef des größten französischen Baukonzerns, habe schon mehrfach angeboten, bei ihm einzusteigen. So könnte er endlich »auch einmal viel Geld verdienen«, was er im Vorjahr beim G20-Gipfel von Cannes in der Diskussion um die Gehälter von Konzernchefs und Bankiers launig als seinen »Traum für ein zweites Leben« bezeichnet hatte. Doch vor allem will Sarkozy nach dem aufreibenden Leben an der Spitze des Staates kürzer treten und sich mehr seiner Familie widmen.
Präsidentenberater und Spitzenpolitiker der Regierungspartei UMP können ihr Entsetzen über die leichtfertigen Äußerungen ihres Chefs kaum verbergen. »Das kann Einfluss auf die Wahl haben, denn die Franzosen könnten den Eindruck gewinnen, er habe innerlich schon aufgegeben«, meint einer von ihnen. Andere glauben, Sarkozy besser zu kennen, und sind überzeugt, dass er im Wahlkampf noch einmal zu großer Form auflaufen werde. Er wolle »so lange wie möglich seine Arbeit als Präsident machen«, erklärte Sarkozy, und daher seine Kandidatur für die Wiederwahl erst Ende Februar oder Anfang März offiziell bekannt geben. Dass er in Umfragen weit hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande rangiert, kümmert ihn wenig.
Tatsächlich haben Umfragen schon oft ein falsches Bild gezeichnet. So galt 1995 Edouard Balladur noch 100 Tage vor der Wahl als haushoher Favorit, doch es gewann Jacques Chirac. Auch dass es 2002 einen zweiten Wahlgang zwischen Chirac und dem Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen geben würde, weil der Sozialist Lionel Jospin schon im ersten scheiterte, hatte zuvor keine Umfrage ahnen lassen.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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