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Von Lucian Haas 30.01.2012 / Umwelt

Überlebende der Eiszeit

Klimarelikte zeigen, wie sich Pflanzen mit wandelnden Bedingungen arrangieren

Die Buchenwälder im Hayedo de Montejo, einem Gebirgszug rund 100 Kilometer nördlich von Madrid, dürfte es theoretisch gar nicht geben. Buchen bevorzugen ein feuchtes, relativ kühles Klima. Die Buchen im Hayedo de Montejo sind Überbleibsel der Eiszeit, als in Spanien ein Klima wie heute in Mitteleuropa herrschte.
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Buchenwald im Hayedo de Montejo

In den Tälern des Hayedo de Montejo wachsen Buchen, wie sie sonst eigentlich nur in nördlicheren Breiten heimisch sind. Sie stehen in Tälern, in denen sich etwas mehr Feuchtigkeit sammelt als in der Umgebung. »Die Populationen sind von den Hauptverbreitungsgebieten ihrer Art isoliert. Obwohl das regionale Klima für sie ungeeignet ist, können sie aber in begrenzten Zonen mit den passenden Klimabedingungen überleben«, sagt Alistair Jump von der schottischen Universität von Stirling.

Jump studiert seit Jahren sogenannte Klimarelikte. Er versucht herauszufinden, wie Pflanzen es schaffen, in klimatisch unpassenden Regionen zu bestehen. »Das zu verstehen ist wichtig«, sagt er. Denn nur so seien genauere Aussagen darüber möglich, wie sich der aktuelle Klimawandel auf die Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten auswirken wird.

Bisher betrachten Klimaforscher solche Entwicklungen nur in Simulationen. Dafür nutzen sie sogenannte biogeographische Computermodelle. Laut den Berechnungen werden einige Arten in Zukunft als Folge des prognostizierten Temperaturanstiegs und veränderter Niederschlagsmuster aus bestimmten Regionen verdrängt werden.

Beispielsweise könnten es viele Reptilien- und Amphibienarten sehr schwer haben, in Südwesteuropa zu bestehen, da das Klima im Mittelmeerraum künftig für sie zu trocken werden könnte. Das haben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig im Rahmen des EU-Forschungsprojekts »Alarm« über Klimarisiken für die Artenvielfalt prognostiziert.

Doch für Jump sind die spanischen Buchen guter Grund, solchen Ergebnissen zumindest teilweise zu misstrauen. »Einige Arten werden vielleicht in einem sehr lokalen Bereich erhalten bleiben, selbst wenn sie infolge des Klimawandels großräumig Verluste erleiden. Das könnte unsere Vorhersagen verändern, wie der Klimawandel sich auf die Artenvielfalt auswirken wird«, sagt er. Kürzlich veröffentlichte er gemeinsam mit Arndt Hampe von der Biologischen Station Doñana in Spanien eine Studie, die einen Überblick zum Stand der Forschung rund um die Klimarelikte liefert. Der Beitrag ist im »Annual Review of Ecology, Evolution and Systematics« erschienen.

Klimarelikte kommen häufig an Orten vor, die um einige Celsiusgrade kühler und auch feuchter sind als die Umgebung. Solche Bedingungen sind in Gebirgen mit engen, schattigen Tälern zu finden - aber nicht nur. Auch Moorgebiete können so ein Mikroklima bieten.

Alistair Jump plädiert dafür, Klimarelikte und ihre Standorte gezielt zu schützen. »Diese Populationen sind heute schon an Bedingungen angepasst, die viele Arten an anderen Orten erst in Zukunft erleben werden«, sagt er. Klimarelikte könnten als genetische Ressource dienen, um es möglich zu machen, verwandte Arten in anderen Regionen ihres Verbreitungsgebietes zu erhalten.

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