Es war die erste Pressekonferenz seit 1990, und Familie Schlecker wollte einiges klar stellen. Meike Schlecker, Tochter des Firmengründers, die das Unternehmen seit 2010 mit ihrem Bruder Lars führt, wandte sich entschieden gegen kursierende Gerüchte, es gebe noch irgendwo ein relevantes Familienvermögen. »Es ist nichts mehr da«, erklärte sie am Montag am Unternehmenssitz in Ehingen. In den vergangenen Jahren habe die Familie hohe dreistellige Millionenbeträge aus eigener Kasse in die Restrukturierung des Drogeriemarkts gesteckt.
Zuvor waren Forderungen laut geworden, die Familie Schlecker solle mit ihrem Privatvermögen einspringen. Das müsse sie auch, erklärte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Montag, denn Anton Schlecker habe seinerzeit die Unternehmensform »eingetragener Kaufmann« (e.K.) gewählt. Hierdurch stünden der Patriarch und seine Familie für die vor einer Woche angemeldete Insolvenz gerade. Geiwitz betonte laut Schlecker-Mitteilung: Die Insolvenz bedeute »in der Konsequenz die Privatinsolvenz von Anton Schlecker«.
Die Drogeriekette hatte vor einer Woche einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem ein kurzfristiger Zahlungsausfall in zweistelliger Millionenhöhe nicht aufgefangen werden konnte. Das Unternehmen und die Familie haben kein Geld mehr bereitstellen können, um den weiteren Betrieb zu gewährleisten. Am Donnerstag hatte auch Schlecker-Tochter IhrPlatz Insolvenz angemeldet, die Auslandsunternehmen der Kette seien aber nicht betroffen.
Dennoch ist nach Angaben des Insolvenzverwalters »die uneingeschränkte Betriebsfortführung bei Schlecker im Wesentlichen wieder hergestellt«. Möglich war das durch Verhandlungen mit rund 140 Lieferanten, darunter die Markant-Gruppe, Beiersdorf, Procter&Gamble, Unilever sowie die Henkel-Gruppe.
Das Unternehmen will jetzt eine weitere Chance. Der vorläufige Insolvenzverwalter soll hierfür weitreichende Befugnisse bekommen, um den Fortbestand zu sichern. Zunächst könnten nun die Mieten der Läden bezahlt werden, da das Amtsgericht Ulm ihn zum sogenannten »starken vorläufigen Verwalter« gemacht habe.
Geiwitz revidierte bisherige Zahlen der Drogeriekette - es seien mehr als 6000 Filialen in Deutschland mit rund 32 000 Beschäftigten. Zuvor war noch von knapp unter 7000 Filialen die Rede. Der Großteil davon schreibe schwarze Zahlen, sagte Schlecker-Finanzchef Sami Sagur. Um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen, stünde auch das Auslandsgeschäft des Familienunternehmens zur Disposition. Zum Umsatz und Ausmaß der Verluste schwieg sich die Unternehmensspitze weiter aus.
Die Insolvenzgelder für Löhne und Gehälter scheinen indes gesichert. Die Sparkasse Ulm habe diese vorfinanziert. Auch die Regionalagentur der Bundesagentur für Arbeit hatte mitgeteilt, dass die Insolvenzgelder bereitstünden.
Geiwitz geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren Ende März oder Anfang April eröffnet werde. Derzeit liegt der Antrag beim Amtsgericht Ulm. Für die Modernisierung veranschlagte er Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, erste potenzielle Investoren hätten sich bereits gemeldet. Und das Land Baden-Württemberg hat am Wochenende angekündigt, wenn es zu einer Investorenlösung kommen sollte, sei die Landesregierung zu staatlichen Hilfen bereit. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Marke Schlecker spurlos von der Landkarte verschwinden wird«, sagte Gleiwitz. Die Familie zumindest versucht es erneut.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Kompetent Arndt Geiwitz / Der 42-Jährige soll die Plan- insolvenz des Schleckerkonzerns verwalten
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