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Von Hilmar König 31.01.2012 / Nord-Süd

Jarawa kämpfen ums Überleben

Fernverkehrsstraße bedroht indigene Gruppe auf den indischen Andamanen-Inseln

Auf den Andamanen-Inseln leben die letzten knapp 400 Jarawa-Ureinwohner - Jäger und Sammler, deren frühe Vorfahren aus Afrika kamen. Bis 1998 vermieden sie jeden Kontakt zur Außenwelt. Heute ist ihr Wald von einer Fernstraße zerteilt, die neben Touristen auch Wilderer und Krankheiten in ihr Reservat bringt, gegen die die Jarawa keine Immunität besitzen.
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Der Urwald auf den Andamanen weckt Begehrlichkeiten, was das Überleben der Ureinwohner gefährdet.

Krachend fallen die Urwaldriesen auf den Andamanen-Inseln zu Boden. In kurzer Zeit werden sie entastet, die glatten Stämme von Arbeitselefanten zur Verladestelle geschleift. Hier bugsieren von Mahouts dirigierte »Stapelelefanten« mit Füßen, Rüssel und Stoßzähnen die enorme Last unglaublich geschickt auf die wartenden Holztransporter. Ein faszinierendes Schauspiel, das man staunend verfolgt. Nur: Die meisten Besucher der Andamanen-Inseln zieht es nicht hierher in den Regenwald, sondern sie fahren zum Baden, Schnorcheln oder Surfen an die Strände. Oder es zieht sie mit gehörigem Nervenkitzel zu einer illegalen Begegnung mit den Jarawa-Ureinwohnern.

Die Jarawa liefern nach wie vor Schlagzeilen für indische Medien und erregen sogar international Aufsehen. Innenminister Palaniappan Chidambaram nutzte kürzlich einen Besuch in diesem abgelegenen Landesteil, um am Ort des Geschehens einen Eindruck zu erhalten: In Chaudhury Ghumai, wo angeblich im Jahre 2008 halbnackte Jarawa-Frauen auf Befehl von sogenannten Ordnungshütern »tanzen« mussten, hielt er sich kurz auf. Er versicherte, »dem Jarawa-Volk nichts aufdrängen oder aufzwingen« zu lassen.

Der indigene Stamm der Jäger und Sammler, der seit Tausenden Jahren in den Wäldern siedelt, lebte bis 1998 isoliert und attackierte Eindringlinge in seinen Lebensraum. Auch gegen den Bau des National Highway 223, der als »Andaman Trunk Road« bekannt ist, lehnten sich die Jarawa Ende der 60er Jahre mit Pfeil und Bogen auf. Sie ahnten, dass diese von der Süd- bis zur Nordinsel reichende, gut 300 km lange Schneise durch ihren Wald nur Unheil bringen würde. Ihre Ahnung bewahrheitete sich. Die Trunk Road wurde zur wichtigsten Verkehrs- und Transportader zwischen der Hauptstadt Port Blair und der nördlichsten Stadt Dighlipur. Tagtäglich rollen hier unzählige Holztransporte, Busse, Lastautos - und mit Touristen besetzte Kleinbusse quer durch das Jarawa-Schutzgebiet.

Auf Schildern vor der Einfahrt ins Reservat steht: »Geben Sie den Jarawa keine Esswaren. Fotografieren Sie sie nicht. Machen Sie keine Videos. Halten Sie nicht an. Das ist verboten und Sie werden bestraft, inklusive Beschlagnahme der Kamera.« Doch die Schilder schrecken nicht ab. Diese Form des besonders »prickelnden, exotischen« Fremdenverkehrs boomt. Lange Schlangen von Kleinbussen, Jeeps und Taxi beweisen das. In Port Blair kennt man die Agenturen, die solche Safaris ins Jarawa-Land verklausuliert anbieten, und die Jungs, die mit heimlich gedrehten Videos Appetit auf das angebliche Abenteuer machen. Ajai Saxena, ein Beamter in Port Blair, erklärt: »Wir haben den Tourveranstaltern verboten, zu halten. Aber wir können nicht jedes Auto kontrollieren.«

Der zuständige Polizeichef behauptet, in den letzten fünf Jahren seien über 1000 Personen festgenommen worden, weil sie illegal Kontakt zu den Eingeborenen aufgenommen hatten. Immerhin gebe es ja das Gesetz von 1956 zum Schutz der Urbevölkerung Indiens, zu der die Jarawa zweifellos gehören. Prof. Anvita Abbi von der Jawaharlal Nehru University, ein Experte für Indigene, kennt sich aus und meint, dass die sogenannten Menschensafaris trotz aller Verbote weiter durchgeführt werden: »Die Behörden wissen, dass dies geschieht.«

Ein Fotoreporter des britischen »Observer« bestätigte das jetzt aus eigenem Erleben. Er war im Dezember 2011 in Port Blair und verhandelte mit Taxifahrern über eine Fahrt auf der Trunk Road durchs Jarawa-Gebiet. Das Feilschen nahm er auf Tonband auf. Um einen Polizisten zu bestechen, damit die Fahrt problemlos und erfolgreich ablaufen kann, würden etwa 200 Euro reichen. Der Fotograf verzichtete wohl am Ende auf diese Tour. Aber er brachte ein Video mit, das er in Port Blair erstanden hatte. Es zeigt vor einem Bus »tanzende« Jarawa-Frauen mit freiem Oberkörper, die immer wieder von einer Person animiert werden, weiterzumachen, denn sie hätten ja als Vorausbezahlung schon etwas zu essen bekommen.

Dieses Dokument schlug ein wie eine Bombe und scheuchte auch die Inder auf, weil es natürlich dem Image des Landes schadet. Zwei Leute, die mit dem Reporter verhandelt hatten, sollen inzwischen festgenommen worden sein. Die Polizei sucht nach dem Mann, der das Video 2008 gedreht hatte.

Der Minister für Indigene Angelegenheiten, Kishore Chandra Deo, glaubt, es wäre völlig unfair, die Jarawa für immer in diesen »scheußlichen Verhältnissen« zu lassen. Zugleich möchte er sie nicht der sich ausbreitenden Konsum- und Junkkultur aussetzen. Immerhin hätten sie ihre Traditionen und eine Menge indigenes Wissen.

Ob Deo für eine »Assimilierung« plädiert, blieb offen. Aber eine solche wird zum Beispiel von der rechten Indischen Volkspartei (BJP) befürwortet. Assimilierung würde nach Einschätzung der Organisation Survival Internation ein Desaster und den Untergang der Jarawa bedeuten.

Die Meinungen über den Umgang mit den Jarawa gehen auseinander. Allerdings gibt es einen Konsens: Dem Urteil des Höchsten Gerichts Indiens vom Mai 2002, die Trunk Road unverzüglich zu sperren, muss endlich die Tat folgen. Damit wäre ein wesentlicher Schritt zur Rettung der Jarawa getan. Innenminister Chidambaram äußerte sich dazu aber nicht.

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9 Kommentare zu diesem Artikel

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  • OBJZ, 31. Jan 2012 04:37

    Wo neu kontaktierte Ureinwohner sofort geimpft werden...

    Durch die einseitige, vorsaetzige Propanda gegen Brasilien erreicht meist nur ein Zerrbild die Leser in Deutschland. In Brasilien - 22 mal BRD - wandern noch einige isolierte Indigenenethnien, von welchen man schon etwas weiss, und sogar einige von welche nur vermutet wird. Es sind meist winzige Gruppen von einigen Menschen oder mehreren Dutzend, welche sich auch von anderen Indigenengruppen isolieren, denn unter den tausenden Indigenenethnien in den Amerikas bestand immer unablaessiger Kampf, welcher heute aber nur in sehr einzelnen isolierten Zonen weiter besteht. Der Bundes-Indigenen-Schutz Brasiliens FUNAI, sendet staendige Expeditionen von Athropologen welche den Kontakt zu den "Isolados" suchen und sie dann sofort erst IMPFEN. Die "Isolados" koennen dann entscheiden wie weit sie mit der "Welt" in Kontakt kommen wollen: Wenn sie weiter vollkommen isoliert bleiben wollen - wird kein weitere Kontakt erhalten, wenn sie Kontakt mit der "Welt" wuenschen, dann wird der Kontakt zunaechst begrenzt auf die Athropologen der FUNAI, des Indigenen-Medizin-Dienst SESEI, und die Bundespolizei "Policia Federal" welche fuer den Schutz dieses Sperrgebietes verantwortlich ist gegen den Zugang von "Ausenseitern" - besonders illegale Holzfaeller, Goldsucher, katholische Priester und evangelische Missionare. Durch den Kontakt bekommen diese Indigenen Zuteilung von Lebenmittel. --- Die groesste Ansteckungsgefahr fuer Ureinwohner und Indigenengruppen weltweit sind die "fremden Helfer" welche von Europa und USA kommen, denn mit ihnen kommen neue Varianten von Bakterien und Virus welche nicht in der Umgebung vorkommen, denn in den meisten faellen haben die Ureinwohner und Indigenen schon eine Imunitaet gegen die Bakterien und Virus welche in dem Land unter der nationalen Bevoelkerung existieren.

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  • OBJZ, 31. Jan 2012 07:49

    Re: Wo neu kontaktierte Ureinwohner sofort geimpft werden...

    Berichtigung: ANTHROPOLOGEN

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  • Ani-metaber, 02. Feb 2012 13:13

    Re: Re: Wo neu kontaktierte Ureinwohner sofort geimpft werden...

    Leider
    ist das „heldenhafte“ der jetzigen brasilianischen Regierung – soweit dies der Wirklichkeit entspricht und nicht von vielen zweifelhaften Taten begleitet wird – keinen unmittelbaren auf die Inseln im indischen Ozean.

    Und der Regierung Indiens wird nachgesagt, sie bekämpfe auch mit Drohnen Eingeborene, die sich zu Hunderttausenden durch Großprojekte in ihren Existenzen bedroht sehen und dann auch noch „Maoisten“ sein sollen.

    Aber sie haben sicher das Glück, nicht von eingeschleppten Viren duch Nato-NGO-Mitarbeiter bedroht zu werden, sondern nur den einheimischen ausgesetzt zu sein, während indische Rinderpestviren in Afrika ihr Unwesen treiben.

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  • Ani-metaber, 02. Feb 2012 13:17

    Re: Wo neu kontaktierte Ureinwohner sofort geimpft werden...

    Leider
    hat das „heldenhafte“ Verhalten der jetzigen brasilianischen Regierung – soweit dies der Wirklichkeit entspricht und nicht von vielen zweifelhaften Taten begleitet wird – keinen unmittelbaren Einfluss auf das Geschehen der Inseln im indischen Ozean.

    Und der Regierung Indiens wird nachgesagt, sie bekämpfe auch mit Drohnen Eingeborene, die sich zu Hunderttausenden durch Großprojekte in ihren Existenzen bedroht sehen und dann auch noch „Maoisten“ sein sollen.

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  • Rotspoon, 02. Feb 2012 15:38

    Leider

    Mußt auch Du, @ANI-METABER, Dich damit abfinden, daß die Herrschenden in aller Welt, sei ihre Hautfarbe schwarz, braun, rot, gelb oder weiß, nirgendwo Leute mit Samthandschuhen regieren lassen. Es gibt allerdings Unterschiede z.B. zwischen Indien, Simbabwe und Brasilien. Das Schöne an uns Gutmenschen ist jedoch, daß wir uns nur dann richtig aufregen, wenn DIEDAOBEN es so wollen. Ansonsten lassen wir doch den lieben Gott einen guten Mann sein. Es läßt uns gerade mal kalt, wenn sie in Bulgarien mal ein paar Zigeuner massakrieren, an der mexikanischen Grenze Migranten wie Kaninchen abknallen oder im Norden Nigerias die Tuaregs aus radioaktiv verseuchten Brunnen trinken lassen, ne wohr.

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  • Sissyfuss, 02. Feb 2012 18:43

    Re: Leider

    „Es läßt uns gerade mal kalt, wenn sie in Bulgarien mal ein paar Zigeuner massakrieren, an der mexikanischen Grenze Migranten wie Kaninchen abknallen oder im Norden Nigerias die Tuaregs aus radioaktiv verseuchten Brunnen trinken lassen“ – nicht immer von sich selbst auf andere schließen!

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  • Rotspoon, 02. Feb 2012 19:11

    Das ist zwar kein Argument, @SISSYFUSS

    Fühlst Du dich etwa angesprochen?

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  • OBJZ, 03. Feb 2012 22:00

    Re: Wo neu kontaktierte Ureinwohner sofort geimpft werden...

    Als der Weisse Man kam, dargestellt und gefilmt von Indigenen in Brasilien, sieh youtube Video PIRINOP MEU PRIMEIRO CONTATO. Das Video wurde von den indigenen Ikpeng selbst dargestellt und gefilmt, ueber die Ankunft der Weissen 1964. Die alte Frau erzahlt: "Als das Gespenst am Himmel geflogen kam - rannte meine Mutter mit meinem kleinen Bruder aus Angst gegen den Pfahl in der Mitte der Huette!" Und sie spielt diese Szene zweimal damit alle die Komik verstehen. Andere schiessen ihre Pfeile hoch gegen das vorbei fliegende "Gespenst". Als der Motor knarrt, meint einer: "Der furzt!". ---- Wie die Wirklichkeit in einer isolierten Indigenegruppe sein kann, eine Nachdramatisierung dargestellt von Indigenen, ueber das Thema "Kindermord" unter Indigenenethnien. Der Fall "Hakani" der "Suruwaha": Eine isolierte Indigenenethnie von 110 Indianern. Der Haeuptling behauptet dass das Kind Hakani dem Stamm das Unglueck bringt. Hakani entwickeltE sich nicht normal, kann nicht laufen und waechst nicht. Isolierte Indianer im Amazonas koennen sich nicht mit behinderten Kindern belasten, und diese werden wie Zwillinge und Kinder von unverheirateten Frauen lebendig begraben oder verbrannt. Was mit alten Leuten geschieht welche eine Last werden kann man sich vorstellen. Aber die Eltern der Hakani begangen lieber Selbstmord: Sie verzehrten eine Pflanze welche von Indianern fuer einen schnellen Selbstmord verwendet wird: Manchmal nach Streit mit Verwandten, denn "Umziehen" geht nicht aus der Sippenhuette und allein durch den Urwald. Nachdem die Eltern gestorben waren, begrab der Stamm das Kind Hakani. Ihr Bruder grab Hakani wieder aus und trug das Hakani zu einer Station des Bundes-Indianer-Schutz FUNAI. Die brasililanische Ethnolinguistin Suzuki (japanischer und afrikanischer Abstammung)adoptierte Hakani welche an Hypdothryroidismus leidete. Darauf wurde Suzuki von einer Antropologin wegen "Kinderraub" angeklangt !. Sieh das Video Dokumentar HAKANI LEVEND BEGRAVEN .

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  • OBJZ, 03. Feb 2012 22:20

    Re: Re: Wo neu kontaktierte Ureinwohner sofort geimpft werden...

    Der Moment des Kontaktes zwischen dem Anthropologen Orlando Villas Boas und den Ikpeng wurde 1964 gefilmt und erscheint in youtube Video: CLIP PIRINOP MEU PRIMEIRO CONTATO 3.mov ------- Der alte Indianer, erinnert sich: "Sie riefen, und dann riefen wir zurueck. Als er mich umwarmen wollte, glaubte ich erst dass er mich ersticken wollte!"

    • Permalink

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