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Umkämpfte Kartoffelscheune

Vor 30 Jahren begann der Bau des Atommüllzwischenlagers in Gorleben

Als die Baumaschinen in Gorleben anrollten, protestierten Atomkraftgegner mit einer spektakulären Aktion: Sie besetzten für einen Tag einen Zipfel DDR-Gebiet.

Die Atomkraftgegner im Wendland sprechen abfällig von der »Kartoffelscheune«, wenn sie sich mal wieder über die wuchtige Halle im Wald zwischen Gorleben und Gedelitz aufregen. Doch in dem 190 Meter langen, 38 Meter breiten und 22 Meter hohen Bauwerk aus Beton lagern keine Nahrungsmittel. 113 Castorbehälter mit hoch radioaktivem Atommüll wurden hier vorübergehend abgestellt. Sie warten auf ihren Weitertransport in ein Endlager, das noch nicht gefunden ist.

Vor 30 Jahren, am 26. Januar 1982, begann der Bau des Zwischenlagers. »Die Atomwirtschaft stand damals mächtig unter Druck, der Betrieb der Atomkraftwerke wurde an einen Entsorgungsnachweis gekoppelt«, erinnert sich Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Mit dem Baubeginn war dieser Nachweis zumindest auf dem Papier erfüllt.

Rund 2000 Lüchow-Dannenberger hatten im Verlauf des Genehmigungsverfahrens schriftlich Einwände erhoben. Doch der Kreistag mit seiner damaligen CDU-Mehrheit, die Samtgemeinde Gartow und die Gemeinde Gorleben genehmigten den Bau im Sommer 1981. Die Zustimmung brachte den Kommunen eine »Infrastrukturhilfe« in Millionenhöhe ein.

Als die Baumaschinen schließlich anrollten, protestierten rund 100 Atomkraftgegner mit einer spektakulären Aktion: Sie besetzten für einen Tag einen Zipfel DDR-Gebiet - und versetzten damit Ordnungshüter, Diplomaten und Politiker in helle Aufregung. Verhindern konnten sie das Zwischenlager nicht mehr. Ende 1983 war der Bau abgeschlossen.

Elf Jahre lang konnten Umweltschützer die Einlagerung von Castorbehältern verhindern, erst im April 1995 erreichte der erste Transportbehälter mit abgebrannten Brennelementen gegen den erbitterten Widerstand Tausender Menschen das Zwischenlager. Inzwischen haben 13 Castor-Transporte das Lager erreicht. Es ist heute zu einem Viertel belegt.

Neben der Castorhalle beherbergt das Areal noch zwei weitere Anlagen: ein Abfalllager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll und die sogenannte Pilotkonditionierungsanlage, in der defekte Castoren repariert werden können. Betreiber des gesamten Komplexes ist die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS). Sie gehört den Energiekonzernen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall.

Im vergangenen Jahr geriet das Zwischenlager mehrmals in die Schlagzeilen. So werden laut einer Studie seit Beginn der Lagerung hoch radioaktiven Atommülls im Jahr 1995 in der Gegend deutlich weniger Mädchen geboren. Zudem wurden von der zuständigen Messstelle für 2011 überhöhte Strahlenwerte prognostiziert. Das niedersächsische Umweltministerium gab daraufhin Nachmessungen in Auftrag - und siehe da, danach würde der Grenzwert nicht erreicht. Und das Ministerium gab grünes Licht für den 13. Castor-Transport, der Ende November das Zwischenlager erreichte.

Vor wenigen Wochen gab das Bundesumweltministerium bekannt, dass alle deutschen Zwischenlager, also auch Gorleben, nachgerüstet werden sollen. Die baulichen Maßnahmen dienten dem Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter, hieß es. Jahrelang waren solche Gefahren geleugnet worden.

Am vergangenen Freitag erinnerten AKW-Gegner in Gorleben mit einer Demonstration an den Baubeginn des Zwischenlagers. Die Kundgebung fand am wenige hundert Meter entfernten Erkundungsbauwerk für ein Endlager statt. Eine Warnung, so Wolfgang Ehmke, »dass das Krebsgeschwür Atommüll nicht auf den Salzstock übergreift«.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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