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Lohnt sich Arbeit dann noch?

Mathias Schweitzer (ver.di) über das bedingungslose Grundeinkommen

Mathias 
Schweitzer 
ist freigestellter Betriebsrat bei der Tele
Mathias Schweitzer ist freigestellter Betriebsrat bei der Telekom und Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins Magdeburg.

nd: Sie gehören zu den Unterstützern einer neuen Initiative, die Gewerkschafter zur Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen auffordert. Bislang galten Gewerkschafter eher als Gegner eines solchen Grundeinkommens.
Schweitzer: Innerhalb der Gewerkschaften gibt dazu ganz unterschiedliche Positionen. Aber diskutiert wurde das Grundeinkommen immer mal wieder. So gab es auch im vergangenen Jahr beim ver.di-Bundeskongress diverse Anträge zum bedingungslosen Grundeinkommen. Es gibt Befürworter und Gegner.

Aber allgemein überwiegt bei den Gewerkschaftern doch die Skepsis gegenüber dem Grundeinkommen?
Das kann man so sagen.

Man hört immer wieder den Einwand, dass solch ein Grundeinkommen die Lohnarbeit entwerten würde.
Wir reden nicht nur über ein bedingungsloses Grundeinkommen, sondern auch über weitere flankierende Säulen wie z.B. Mindestlohn, Bürgerversicherung. Gute Bezahlung schützt davor, Arbeit zu entwerten. Gute Bezahlung schützt davor, Arbeit zu entwerten.

Aber würde es nicht schlichtweg unattraktiv, niedere Arbeiten, etwa im Reinigungsgewerbe, zu übernehmen? Sprich: Lohnt sich Arbeit dann überhaupt noch?
Solche, heute meist schlecht entlohnte Arbeit müsste dann viel besser bezahlt werden. Wenn die Arbeitnehmer nicht mehr jeden denkbaren Job annehmen müssen, sind die Unternehmen gezwungen, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne anzubieten. Wenn man über ein solches Grundeinkommen diskutiert, muss man natürlich auch über den Arbeitsbegriff reden. Gibt es überhaupt Arbeit? Was ist gesellschaftliche Arbeit?

Was verstehen Sie unter gesellschaftlicher Arbeit?
Es gibt wichtige Tätigkeiten, die nicht entlohnt werden. Das heißt, diese Arbeit wird geleistet, ohne dass es Geld dafür gibt. Also etwa ehrenamtliche Arbeit oder Tätigkeiten, die innerhalb der Familie geleistet werden.

Grundeinkommen ist ja nicht gleich Grundeinkommen. Es kursieren die verschiedensten Modelle. Für welches plädieren Sie?
Bevor man über Modelle und die Finanzierung nachdenkt, sollte man die Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens diskutieren. Wir wollen eine Diskussion anstoßen und kein Modell propagieren. Das Grundeinkommen ist eine Vision, die diese sozial ungerechte und prekäre Gegenwart mit einer anderen, besseren Zukunft konfrontiert.

Ihr Aufruf wurde am 25. Januar auf einer Webseite veröffentlicht. Wie ist die Resonanz?
Unsere Webseite www.gewerkschafterdialog-grundeinkommen.de ist eigentlich eine Unterschriftensammlung. Derzeit gibt es dort 72 Unterschriften. Wir wissen, dass es viel mehr Unterstützer gibt. Wir hatten anfangs Probleme mit der Technik, weil einfach zu viele Menschen gleichzeitig unterschreiben wollten.

Gibt es schon Reaktionen von Spitzengewerkschaftern?
Nein, bislang nicht.

Fragen: Fabian Lambeck

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • friesenstein, 01. Feb 2012 17:31

    ... das Leben muss sich lohnen...

    nicht die Arbeit ... und über meinen Körper und mit welchen Resourcen ich arbeiten möchte, will ich selbstbestimmt entscheiden können.
    Gewerkschafter sollten sich einmal der Erkenntniss stellen, was ein lebenswertes Leben ausmacht,anstatt die Vollbeschäftigungs-, Arbeit für Alle- und Faulheitskeule zu schwingen....

    Die Linke hat übrigens, das sozial ausgewogenste Finanzierungskonzept. Nach diesem Konzept müssten eigendlich alle, die derzeit weniger als 7000,- Euro/monatlich/brutto verdienen, sich wünschen und laut schreinen.

    Ich befürworte den GewerkschtsDialog.
    Ich glaube, er könnte was bewegen.
    Nur leider bewegt sich die "Die Linke Spitze" nicht.

    Schade, das Die Linke dieses Thema voll verpennt hat.
    Katja Kipping ist da ja wohl eine echte Ausnahme.
    Ein Frau mit Charakter und Köpchen ;-)

    • Permalink

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