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Von Hendrik Lasch, Dresden 01.02.2012 / Inland

Als die Elektronik klein gemacht wurde

Ausstellung über 50 Jahre Chips aus Dresden

Silicon Saxony - mit diesem Etikett wird heute für den Mikroelektronik-Standort Dresden geworben. Die Grundlagen wurden, wie eine Ausstellung zeigt, vor 50 Jahren gelegt.
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Der erste Taschenrechner der DDR von 1975

Kurz und dünn - so steht das Siliziumkristall in einer Vitrine. Drei Zentimeter nur beträgt sein Durchmesser, kein Vergleich zu den 30 Zentimetern, die heute üblich sind. Die schlanke, glänzende Säule indes ist viele Jahrzehnte alt. Sie gehört zu einer Ausstellung, in der die Ursprünge der Mikroelektronik in Dresden gewürdigt werden - vor einem halben Jahrhundert.

»Das Elektron«, schrieb der Ingenieur Werner Hartmann 1967 in einem Zeitungsartikel, beginne gerade, »unsere Technik und damit die Zivilisation umwälzend zu beeinflussen«. Hartmann leitete die sechs Jahre zuvor gegründete Arbeitsstelle für Molekularelektronik, die »Keimzelle« des heutigen Mikroelektronikzentrums, erzählt Ralf Pulla, Kurator der Sonderschau in den Technischen Sammlungen in Dresden. Der 100. Geburtstag des Ingenieurs am vorigen Montag ist Anlass für die kleine Ausstellung.

Dort sind neben dem Siliziumkristall frühe Chips zu sehen, dazu

erste Anwendungen wie eine Digitaluhr, der erste DDR-Taschenrechner oder ein per Elektronik gesteuerter Herzschrittmacher. Ausgestellt werden auch Schaltpläne und große Folien, auf denen die Anordnung der Bauteile auf den kleinen Schaltkreisen festgelegt wurde. So wolle man die »ästhetische Dimension« der Miniaturprodukte veranschaulichen, die sich »sonst der sinnlichen Wahrnehmung entziehen«, wie Pulla sagt.

Siemens war beeindruckt

Neben frühen, maßgeblich von Hartmann geprägten Forschungsarbeiten stellt die Schau auch die weitere Entwicklung dar: die Gründung des Zentrums Mikroelektronik und vor allem die Arbeiten am ersten Ein-Megabit-Speicherchip in der DDR, der im September 1988 präsentiert wurde: »Verpflichtung eingelöst«, wie das Neue Deutschland damals auf Seite 1 titelte. Wie auch eine in Ausschnitten zu sehende TV-Dokumentation belegt, habe es sich entgegen mancher Gerüchte nicht um eine bloße Propagandameldung gehandelt, betont Pulla. Allerdings wurden die Megabit-Chips in der DDR nicht mehr in die Serienproduktion überführt. Verspätetes Lob für die Ingenieure gab es immerhin: Ein Siemens-Experte attestierte den Dresdner Kollegen im Jahr 1990, ihr Chip weise zwar viele Ähnlichkeiten zu einem Fabrikat aus Japan auf. Ingenieure des Münchner Konzerns, die an einer Prüfung des Dresdner Chips beteiligt waren, seien aber »von der Qualität des ZMD-Produkts beeindruckt«.

Investitionen und Pleiten

Es dürften nicht zuletzt derlei Urteile von West-Experten gewesen sein, die der Branche über das Ende der DDR hinweg halfen - trotz aller Schwierigkeiten. Siemens baute, vom Freistaat Sachsen großzügig gefördert, eine Chipfabrik in der Stadt; auch ZMD wurde weitergeführt und war später mit Infineon und AMD ein Nukleus von »Silicon Saxony«, einem industriellen Kern aus 290 Firmen und Forschungsinstituten, der im Jahr 2010 über 48 000 Menschen beschäftigte.

Dass die Branche empfindlich ist, zeigt die bis 7. Oktober geöffnete Ausstellung auch: Zu sehen ist ein Chip der Firma Qimonda, deren Pleite Tausende Arbeitsplätze kostete. Die »Umwälzung« von Zivilisation und Technik, die Werner Hartmann 1967 ankündigte, ist indes eingetreten. Ohne Mikroelek- tronik bewegt sich heute beispielsweise kein Auto mehr vom Fleck. Jedes zweite, das in Europa über die Straßen rollt, tut das mit einem Chip aus Dresden.

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