Die Regisseure wechselten, die Drehbuchautoren auch, und natürlich gab es zur Besetzung der Hauptrollen mit jedem neuen Ansatz neue Überlegungen. »Moneyball« ist einer dieser Filme, die erst durch Larvenstadium und Verpuppung gehen mussten, um ihre Form zu finden. Ein Sachbuch und noch ein zweites, ein von beiden inspiriertes Drehbuch und noch mindestens zwei weitere, außerdem drei Regisseure, diverse Hauptdarsteller (einer davon für eine Rolle, die von der Verkörperung einer realen Person zu der einer auf dieser realen Person nur noch beruhenden, halb fiktiven Rolle mit einem neuen Namen wurde): Es gibt wenig, das sich hier nicht durch verschiedene Stadien des Projekts von eckig zu rund und vom semi-dokumentarischen in unverhohlenes Entertainment gewandelt hätte.
Entstanden ist bei dieser Prozedur ein Film, der unterhält, obwohl er lang ist, der zwei offizielle Drehbuchautoren ausweist, während ein dritter nur mehr für die Ausgangsidee verantwortlich zeichnen darf, an dem prominente Namen wie Steven Soderbergh sich verschlissen (der vor zweieinhalb Jahren kurz vor Drehbeginn gefeuert wurde, wohl weil sein Ansatz dem produzierenden Studio etwas zu dokumentarisch ausfiel), der aber denen Glück brachte, die schlussendlich noch dabei sein durften. Der seinen Hauptdarstellern, Schreibern, Produzenten zu verdienten Oscar-Nominierungen verhalf, sechs Stück insgesamt, und damit im oberen Mittelfeld der diesjährigen Oscar-Favoriten liegt.
»Moneyball« ist ein Film über Baseball, diese US-amerikanischste aller denkbaren Sportarten, und trotzdem auch für denjenigen ein Vergnügen, der sich in dessen Regeln wenig bis gar nicht auskennt. Eigentlich gibt es überhaupt nur eines an ihm auszusetzen (auch wenn man einem von der Geschichte sicher schwer enttäuschten Steven Soderbergh hier gerne beispringen würde). Denn »Moneyball« - so viel Warnung muss sein dürfen - ist ein Film, der den Popcorn- und Süßwarenkonsum anheizt. Ein Film, der fett macht. Weil sein Protagonist sich von Sitzung zu Sitzung futtert. Brad Pitt als Billy Beane - er futtert. Und futtert. Und kaut Kautabak. Und wenn er den wieder ausspuckt, dann nur, um schnell noch etwas Junk Food einzuwerfen. Beane galt einst als eine Zukunftshoffnung des Baseballspiels, bevor die Hoffnung sich ohne weitere Angabe von Gründen in Luft auflöste. Jetzt ist er Manager eines Teams, das mit den Großen nicht mithalten kann, weil das Geld nie für die teuren Spieler reicht. Was der also in sich reinfrisst ...
Fritten, Kekse, Erdnüsse, nur fett muss es sein, süß oder salzig, er stopft’s in sich rein, während sein neuer Assistent (Jonah Hill) ihm mit Computergrafiken erklärt, warum die teuren Spieler am Ende gar nicht die besten sein müssen, sondern manche verletzten, überalterten, allgemein für unzuverlässig angesehenen (und deshalb billig zu habenden) Ausverkaufsartikel sich am Ende noch viel mehr rentieren könnten. Viel mehr rentierten müssten sogar, wenn man der Statistik glaubt. Und weil der Assistent an einer Elite-Uni war und sich auf ein Sachbuch beruft, das diese Theorie mit sehr vielen Formeln unterfüttert, richtet Billy Beane sich nach seinem Ratschlag und bekommt es deshalb erst mal mit allen anderen Offiziellen seines Teams zu tun.
Der Trainer versteht nicht, warum man ihm ins Handwerk pfuscht, die Talentsucher (wunderbare Köpfe allesamt, teils tatsächlich einstige Spieler, teils handverlesene Schauspieler mit Charakterköpfen) sind sauer, weil man ihren Empfehlungen nicht mehr traut, nur der Eigner ist’s zufrieden, solange Beane nicht nach Budget-Erhöhung schreit - und solange die Sache nicht zu peinlich schiefgeht, natürlich. Und die abgewrackten, verunfallten, überalterten Stars, die sich einer neuen Chance gegenüber sehen, die sind entsprechend dankbar. Dass der Film trotzdem nicht in den Fettnapf einer kitschigen David-gegen-Goliath-Wohlfühlorgie abrutscht, verdankt sich wohl vor allem Drehbuchautor Aaron Sorkin (»The Social Network«), der allerletzte Hand anlegte. Und der Tatsache, dass hier eine wahre Geschichte ziemlich nah an der Realität erzählt wird. Und die hatte Höhen, aber das finale Endhoch, das blieb ihr bis heute versagt.
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