»Never rest in Peace«, Ruhe niemals in Frieden, soll der Schlachtruf der Zombies sein. Ein Jahr ist es her, dass die Liebig 14, eines der letzten einst besetzten Häuser, geräumt wurde. Mit morbidem Charme protestieren ehemalige oder Noch-Bewohner, Aktivisten und Gentrifizierungsgegner gegen den Prozess einer »Totalverdorfung« Berliner Innenstadtkieze.
Kürzlich feierten die Besucher des einstigen Klubs der Republik eine Totenfeier, symbolisch auch für das generelle Clubsterben in Prenzlauer Berg. Nach Friedrichshain nun wollen die lebenden Toten zurückkehren; um gegen hohe Mieten, ein soziales Einheitsmilieu und gegen die Beseitigung der letzten Freiräume zu protestieren.
Berlin ist im Begriff, seine Szene an den Stadtrand zu verdrängen, die der Stadt einst hohe Anziehungskraft gab. Welcher zahllose Menschen gefolgt sind. Diesen Prozess als bloßen Wandel, als unausweichliche Selbstverständlichkeit zu bezeichnen, wie es die Regierenden so gerne tun, ist gleichermaßen ein Augenverschließen vor unschönen Zukunftsaussichten.
Berlin lebt vom Wandel, ja. Wenn jedoch die Innenstadt Dorf- und Kleinstadtcharakter bekommt, wo es nur noch Biomärkte, Mutter-Kind-Cafés und abends hochgeklappte Bürgersteige gibt, wenn genau die Menschen, die Kultur schaffen und die Stadt für Touristen attraktiv machen, nicht mehr da sind - dann wird Berlin aussehen wie ein Ostseekurort Mitte Januar: Wie eine schöne und überteuerte Vergnügungsparkkulisse, aber menschenleer und charakterlos.
Berlin befindet sich im Wandel. Die damit einhergehenden Veränderungen sehen die einen als unvermeidliche und positive Stadtentwicklung. Andere verstehen diesen Prozess als Bedrohung. Investoren, die vom Berliner Charme profitieren möchten, werten ganze Viertel auf: Die Mieten steigen, Clubs werden rausgeklagt und am Ende steht eine ausgetauschte Mieterschaft.
MehrAktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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