Von Armin Osmanovic
03.02.2012

Korruption in Südafrika

Südafrikas Gewerkschaften machen Ernst mit dem Kampf gegen die Korruption

In Südafrika ist, wie in vielen anderen Ländern des afrikanischen Kontinents, Korruption weit verbreitet. Die Gewerkschaften haben diesem Problem nun den Kampf angesagt.

Südafrikas Gewerkschaftsdachverband COSATU macht Ernst mit dem Kampf gegen die Korruption im Land. Mit einer Antikorruptionsüberwachung wollen die Gewerkschafter den Druck auf Politik, Verwaltung und Unternehmen erhöhen, gegen die grassierende Vettern- und Misswirtschaft in Südafrika vorzugehen.

Südafrikas Gewerkschaftsführer Zwelenzima Vavi führt seit geraumer Zeit den Kampf gegen die Korruption im Land an. Selbst die ihm zumeist wenig freundlich gesonnene Wirtschaftspresse attestiert ihm dabei gute Noten.

Die Aufgabe der neuen Organisation Corruption Watch, die in ihren Gremien neben Gewerkschaftsvertretern auch Vertreter von Unternehmensverbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Kirchen zählt, ist es, Informationen über Korruptionsfälle zu sammeln und eigene Untersuchungen zu starten. Dabei soll die Organisation sowohl die kleinen, täglichen Schmiergeldzahlungen an korrupte Polizeibeamte als auch große Fälle, in die Regierung und Großunternehmen verwickelt sind, verfolgen.

In Südafrika ist Korruption verbreitet. Sie ist aber bei Weitem nicht so virulent wie in anderen Ländern Afrikas, wo Geldzahlungen an Beamte für die Ausstellung notwendiger Dokumente üblich sind. Transparency International stuft denn auch das Korruptionsniveau in Südafrika als mittelmäßig hoch ein. Südafrika belegte 2011 den 64. Platz von 182 untersuchten Ländern.

Aufsehen erregt die Korruption in Südafrika vor allem deshalb, weil seit dem Ende der Apartheid eine Vielzahl schwarzer Südafrikaner mit guten Beziehungen zur Politik zu Multimilliardären aufgestiegen ist. Einem Teil dieser Aufsteiger wirft man unzulässige Bereicherung an öffentlichen Geldern vor. »Tenderpreneurs« werden diese Aufsteiger in Südafrika genannt, da sie mittels staatlicher Aufträge Millionen scheffeln und einen luxuriösen Lebensstil pflegen.

Die Gründung der Antikorruptionsinitiative könnte das Verhältnis zwischen den Gewerkschaftern und der ANC-Regierung weiter belasten. Die Beziehungen sind durch die wiederholten Anschuldigungen von Vavi in Richtung Regierung belastet, wonach der südafrikanische Staat von Hyänen geplündert werde.

Bei der feierlichen Präsentation der neuen Organisation in Johannesburg machte Vavi die politischen Spannungen innerhalb des ANC und die »unglaubliche Toleranz gegenüber Mittelmäßigkeit und Inkompetenz« in Regierung, Verwaltung und ANC als Ursache für die wachsende Korruption im Land verantwortlich.

Die moralische Basis des Landes werde untergraben, so Vavi vor den zahlreich versammelten Gästen und Medienvertretern. Die dominant gewordene »Kultur des Individualismus«, der Eigennützigkeit müsse zugunsten einer Kultur der Fürsorge für die Armen überwunden werden, so Vavi. Erschreckt zeigte er sich darüber, dass die Korruption zu einer Sache von Leben und Tod geworden ist. Wer Korruption aufdecke, werde mit dem Tod bedroht.

An die Gewerkschaften richtete Vavi den Appell, eng mit der neuen Organisation zusammenzuarbeiten. Doch auch die Gewerkschaften sind nicht frei von Miss- und Vetternwirtschaft: Derzeit plagt sie das Verschwinden von 100 Millionen Rand (zehn Millionen Euro) aus einer Pensionskasse der Bekleidungs- und Textilarbeitergewerkschaft. Offenbar wurden knapp 100 Millionen Rand aus der Kasse an ein Unternehmen verliehen, welches wiederum das Geld an ein anderes Unternehmen weiterreichen sollte. Dieser Deal kam nie zustande. Das Geld ist aber weg.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken